Wie bitte? Ohren ohne Wattestäbchen reinigen?

„Häää? Wie bitte??“ – Füße waschen, dann rutscht der Dreck in den Ohren nach, pflegte meine liebe Mitbewohnerin im Internat immer zu sagen 😜 (hi Susan und danke auch fürs Korrekturlesen 😆❤️).

Früher habe ich wie die meisten anderen meine Ohren nach dem Duschen mit Wattestäbchen saubergemacht. Natürlich diese „Öko“-Q-Tips mit Bio-Baumwolle und Papier statt Plastik in der Mitte. Dass es dennoch hirnrissig ist, wertvolle Ressourcen wie Bio-Baumwolle nach einmaligem Benutzen in die Tonne zu kloppen, darüber hatte ich nicht nachgedacht. Fakt ist: Auch Bio-Baumwolle verbraucht ca. 21.000 Liter Wasser pro Kilo im Anbau! Danach muss die Baumwolle natürlich unter Ressourcenaufwendung weiter zu Wattestäbchen produziert und hierher transportiert werden. Na gut, und bei der Verpackung ist natürlich noch ein komplett unnötiges kleines Plastikfensterchen dabei.

Hier ein Video zum ökologischen Abdruck von Baumwolle:

Bei der Zero-Waste-Umstellung fing ich an zu recherchieren, und stieß darauf, dass Wattestäbchen sogar schaden! Sie können das Trommelfell verletzen und statt das Ohr zu reinigen schiebt man damit nur das Ohrenschmalz sowie andere Verschmutzungen tiefer in das Ohr, was zur Bildung eines Propfens vor dem Trommelfell führen kann!

Außerdem ist Ohrenschmalz nicht grundlos da: Es pflegt unser Ohr und sorgt für ein saures Milieu, in dem sich weder Bakterien noch Pilze wohlfühlen.

Unser Ohr reinigt sich von selbst! Und was stellte ich ungefähr ein halbes Jahr nachdem ich keine Wattestäbchen mehr benutzte, fest? Ich hatte in beiden Ohren dicke, eklig braune Propfen! Denn die fielen (mit zeitlichem Abstand) irgendwann einfach aus meinen Ohren! Und deutlich erkennen konnte man in beiden eine Kuhle, die eindeutig von Wattestäbchen stammt 😳!

Ich bin sehr sehr froh, dass sich diese Dinger von selbst lösten, denn ich hatte gelesen, dass sonst nur der Gang zum HNO-Arzt hilft. Also, Leute, puhlt nicht weiter in euren Ohren rum!

Ich kann es nicht lassen – was kann ich denn tun?

Seufz, das höre ich leider ziemlich häufig, wenn es um Wattestäbchen geht. Ich weiß nicht warum, aber scheinbar wollen alle ihren Ohren lieber schaden 😅.

Ich will hier nur noch mal betonen, dass das Rumgestochere im Ohr nur schadet und gar keinen Nutzen bringt!

Es gibt aber Zero Waste Alternativen, die es zu kaufen gibt, wenn ihr es wirklich wirklich wirklich nicht sein lassen könnt. Seufz.

Also, es gibt in Apotheken medizinische Ohrenreiniger aus Edelstahl mit einer Schlaufe vorne. Und es gibt die in Asien üblichen Ohrenreiniger – meistens aus Bambus – die vorne wie ein Löffelchen geformt sind.

Ohrenreiniger aus Bambus

Diesen habe ich bei meiner Mutter gefunden, süß sieht das Ding ja aus 😀

Diese Ohrenreiniger mit dem Löffelchen vorne gibt es in vielen Unverpackt-Läden zu kaufen (gesehen in: natürlich unverpackt in Münster, Einzelhandel in Münster, OHNE in München und Plastikfreie Zone in München – eine Liste von Unverpackt-Läden habe ich hier mal zusammengestellt).

Unverpackt-Laden OHNE München_0296

Die Ohrenreiniger seht ihr im Hintergrund (OHNE-Laden in München)

Beide Arten von Ohrenreinigern sollen zumindest das Ohrenschmalz weniger reinschieben als Wattestäbchen. Das ist ja schon mal etwas. Die Verletzungsgefahr bleibt aber bestehen!

Aber echt mal, Leute, tut euren Ohren was Gutes und macht einfach gar nichts! Ein Hoch auf die Faulheit 😜!

19 Kommentare

  1. Kamadeva

    also mit wattestäbchen hatte ich auch immer probleme. doch ich nehme jetzt schon seit 8jahren simple japanische ohrstäbchen aus bambus, ist auch wohltuend beim jucken und man kann den dreck/schmalz statt hineinstossen nach aussen befördern. Mit der zeit kennt man auch den eigenen gehörgang.

  2. Hi, danke für den super Artikel. Auf Wattestäbchen für’s Ohr kann ich wahrscheinlich verzichten aber ich bin auf der suche nach einer alternative für wattestäbchen beim schminken?! Da brauch ich sie immer wieder zb wenn maskara daneben geht… Any ideas? LG!

  3. Liebe Shia, liebe Leser,
    ich bin leider auch ein Wattestäbchen-suchti, aber seit ich diesen Beitrag gelesen habe, rühre ich die Dinger nicht mehr an (dies ist aber leider erst ein paar Tage her). Aber es fällt mir doch schwer, es ist eben eine Angewohnheit und ich denke, dass meine Ohren sich so daran gewöhnt haben und nun bestimmt mehr Ohrenschmalz „produziert“ werden muss, da ich es ja jeden Tag immer fleißig weggeschrubbt habe.
    Eine Frage an alle:
    Kennt ihr das nervige Jucken, wenn die Stäbchen weggelassen werden?
    Also ich habe aus diesem Grund und aus Angst vor dreckigen Ohren (die vielleicht jemanden auffallen könnten) immer vermehrt die Stäbchen benutzt, ich bekam schon Sorgen, wenn ich keine mehr hatte.
    Liebe Grüße Jule

  4. Pingback: Zero Waste Buch (Rezension) | Plastikfreier leben

  5. Also ich verwende die earshower Ohrdusche nachdem ich mir die Ohren vorher vom HNO Arzt reinigen hab lassen. Seitdem hab ich keine Probleme mehr. Geht schnell unter der Dusche und funktioniert wirklich gut.

  6. Hallo Shia, liebe Leser,

    für mich selber habe ich noch nie Wattestäbchen oder andere Reiniger gekauft und komme dennoch ohne dreckige Ohren und eklige Pfropfen klar mit Hilfe eines ganz einfachen Trickes.
    Man lässt die Nägel von den kleinen Fingern etwas länger stehen und nutzt diese beim Duschen, wenn der Schmalz weich ist, als natürlichen Ohrreiniger.

    Ist aus verschiedenen Gründen vielleicht nicht die Lösung für jeden, aber ich denke, dass es eine gesunde und saubere sowie naheliegende Technik ist.

    Liebe Grüße

  7. Hey Shia,
    Ich finde deine Beiträge so interessant, weil immer neue Lebensbereiche unter die Lupe genommen werden.
    Aber diesen Beitrag muss ich gestehen, hätte ich gar nicht gebraucht. Ich habe meine Ohren noch NIE mit irgendwelchen Stäbchen geputzt und hatte absolut niemals irgendwelche Probleme bzw. hatte ich auch deswegen nicht mehr Ohrenschmalz oder Dreck oder was auch immer. Ein paar Mal im Jahr habe ich vielleicht mal ein bisschen Ohrenschmalz, das von selbst aus dem Ohr raus kommt, aber das braucht man einfach nur abzuwischen, wie einen Popel 🙂 Ich wusste gar nicht, dass sooo viele Menschen Wattestäbchen verwenden. In meiner Familie ist es überhaupt nicht üblich. Daher doch gut, dass du dieses Thema angesprochen hast!

  8. Hi Shia, dein Lebensstil fasziniert mich sehr, ich wäre froh so leben zu können, aber man lernt ja nie aus. Ich denke bei der Ohrreinigung muss aber erst recht kein Müll aufkommen, also den Müll kann man hier auf jeden Fall easy vermeiden.

    @Jenni Ohrenstäbchen würde ich ohnehin nicht nutzen, da sie nicht gerade förderlich für die Gesundheit des Ohres sind. Sie können sogar beträchtlichen Schaden zufügen und Entzündungen herbei führen. Zudem beseitigen sie das Problem nicht, da sie das Ohrenschmalz oft noch weiter nach innen drücken! Mein Tipp: Dann lieber wirklich Olivenöl oder Mandelöl verwenden.

    Grüßle

  9. Liebe Shia!

    Diesen Artikel habe ich gerade genau zur richtigen Zeit bei dir gefunden! Ich habe – seit einer Woche bin ich mega-inspiriert von Bea Johnson, die ich auf einem Vortrag erleben durfte – vor Kurzem mal wieder unser Bad unter die Lupe genommen und nach verbesserungswürdigen Alternativen zu konventionellen Produkten gesucht. Wir sind da noch lange nicht so weit wie ihr und haben noch diese Bio-Baumwoll-Ohrenstäbchen dort stehen. Ein leiser Verdacht meldetet sich allerdings trotzdem bereits bei mir: „Kann das ökologisch sein?“ Natürlich nicht, ist die naheliegende Antwort. Auf der Suche nach Alternativen bin ich auch auf diese Stäbchen aus Bambus gestoßen und hatte eigentlich vor, sie beim nächsten Besuch im unverpackt-Laden in Münster zu kaufen.

    Jetzt – da ich aber weiß, dass das eher den Ohren schadet als alles andere – lasse ich aber lieber davon ab. Danke dir für die tolle Information! Auf diesen Gedanken wäre ich nämlich nicht selbst gekommen – irgendwie ist es so „normal“, Ohrenstäbchen zu nutzen, dass man das gar nicht infrage stellt.
    Danke für die Horizonterweiterung! 🙂

    Liebe Grüße
    Jenni

  10. Hallo Shia,

    ich lese deinen Blog schon länger und bin immer wieder begeistert von deinen ausführlichen, informativen Posts 🙂 Ich habe mich richtig ins Thema Zero Waste verliebt und konnte schon vieles für mich mitnehmen. Da ich aus Kiel komme, werde ich hoffentlich auch bald dem „Unverpackt“-Laden einen Besuch abstatten 😉

    Bzgl. der Ohrreinigung habe ich auch immer fleißig Wattestäbchen verwendet… Das lasse ich ab sofort. Eine äußere Ohrreinigung beim Duschen reicht – wie ich nun gemerkt habe – völlig aus.

    Eigentlich wollte ich mir dein Buch zulegen, aber bei Amaz*n wird es immer noch als „Vorbestellbar“ gelistet… :O Weißt du dazu Genaueres?

    Liebe Grüße
    Nina

    • Hi Nina,
      ja, mein Verleger schaltet die Onlineshops erst frei, wenn die Buchhändler versorgt sind, um diese zu unterstützen. Beim Buchhändler bekommst du also das Buch schon, sofern er es in sein Sortiment aufgenommen hat, aber ganz sicher kann deine Buchhandlung des Vertrauens dir das Buch schon bestellen :).
      Liebe Grüße,
      Shia

  11. Uns wurde empfohlen, die Ohren einfach mit einem Waschlappen zu waschen – also nur das äußere Ohr. Das reicht ja auch wirklich völlig aus, man verletzt sich nicht und Abfall produziert man auch keinen.

  12. Martina

    Hallo Shia,

    der Ohrenarzt meiner Tochter hat uns empfohlen, dass man – sollten sich die dicken Pfropfen nicht von selbst lösen – einfach ein bis zwei Tropfen normales Öl in den Gehörgang geben soll. Nach kurzem Einweichen gehen sie Dinger dann ganz von alleine raus. Es gibt dafür auch extra Sprays in der Apotheke, aber natürlich vielfach eingepackt, an Tieren getestet und super teuer.

    Liebe Grüße, Martina

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.