Nachhaltig Fasten

Jeden Sonntag gibt es eigentlich um 14:30 Uhr bei COSMO von mir etwas zu Nachhaltigkeit auf die Ohren, aber im März gehe ich wegen Umzugs nach Kanada (nur für 1 Jahr) erst mal kurz auf Sendepause. Da ich ganz gut in Kanada angekommen bin, rocken wir erst mal locker hier weiter ! Artikel dazu folgen in Kürze – zu unserem Umzug, dem Müll dazu, dem Flug… So viele Sachen, die ich alle fleißig mit dokumentiert hatte, aber noch schreiben muss und werde !

Besser bekannt ist der Radiosender wahrscheinlich momentan noch unter Funkhaus Europa, dem internationalen und interkulturellen Hörfunkprogramm von den öffentlich-rechtlichen Sendern WDR, Radio Bremen und Rundfunk Berlin-Brandendenburg. Seit dem 1. Januar 2017 nun umbenannt in COSMO.

Zu empfangen in NRW auf 103,3 MHz, in Bremen und Teilen Niedersachsens auf 96,7 MHz, in Bremerhaven auf 92,1 MHz und in Berlin und Umgebung auf 96,3 MHz.

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Die Fastenzeit hat begonnen. Und klar, das ist ein doch eher biblisches Ding, aber auch so tut es gut, mal bei einigen Sachen kürzer zu treten, finde ich. Wie wäre es mal mit etwas Social-Media-Fasten? Oder Handy-Fasten ;)? Man kann die Fastenzeit aber auch dafür nutzen, um der Umwelt was gutes zu tun. Nachhaltiges Fasten schlägt unsere COSMO-Nachhaltigkeitsexpertin Shia Su vor, die selbst übrigens auch keine Christin ist aber findet, dass man so was ruhig mal ausprobieren kann.

Shia, was genau meinst du denn mit nachhaltigem Fasten?

Ich meine dabei immer nachhaltig im doppelten Sinne. Also, sich zum einen etwas zum Fasten aussuchen, was auch der Umwelt gut tut, wie z.B. Müll- oder Konsum-Fasten. Aber ich denke auch immer, dass die Fastenzeit eine tolle Möglichkeit ist, vieles einfach mal auszuprobieren, kennenzulernen und hier und da Gewohnheiten einzuüben, die auch über die Fastenzeit hinaus Einzug in den eigenen Alltag finden. Also nachhaltig im dem Sinne, dass es nicht wie eine kurzzeitige Diät läuft, nach der man im schlimmsten Fall noch heftiger zuschlägt als vorher. Der berühmte Jojo-Effekt ;).

Nee, einen Jojo-Effekt möchten wir natürlich nicht! Shia, du lebst ja fast müllfrei, also müll-fastest du quasi das ganze Jahr über. Was für Tipps hast du für Leute, die sich das gerne zur Fastenzeit mal vorknöpfen wollen?

Müll-Fasten ist auf jeden Fall eine sehr sinnvolle Sache. Das ist allerdings gleich Einstieg auf ganz hohem Level. Das würde ich deshalb auf jeden Fall auch nicht einfach ohne Vorbereitung angehen und auch die 40 Fastentage etwas systematisieren.

Wie genau bereitet man so was denn vor?

Erst einmal hilft es, sich dazu etwas schlau zu machen, anstatt sich kopfüber ohne Plan reinzustürzen, sonst wird das superfrustrierend. Mal gucken: Was für Alternativen gibt es überhaupt? In was für Geschäften bekommt man die Sachen des täglichen Bedarfs auch ohne Verpackungsmüll? Gibt es vielleicht sogar einen Unverpackt-Laden in der Nähe? Selbst wenn es keinen gibt, so gibt es viele Alternativen wie den Wochenmarkt und auch in Bioläden gibt es meistens mindestens viel unverpacktes Obst und Gemüse. Von da aus kann man sich weiter vorarbeiten: Was wird man in dieser Zeit nachkaufen müssen? Und dafür kann man dann auch vorher schon gezielt nach Alternativen und Bezugsquellen suchen wie z.B. festes Shampoo statt Shampoo aus der Plastikflasche. Hilfe für allerlei Detailfragen gibt es z.B. in vielen zero waste und plastikfreien Facebook-Gruppen.

Also ist Vorbereitung beim nachhaltigen Fasten das A und O?

Ja, und auch, sich nicht zu viel vorzunehmen. Ganz ohne Müll oder auch andere Sachen wie ohne Plastik ist von einem auf den anderen Tag einfach ziemlich hardcore – und häufig eben auch gar nicht möglich, weil man auch zu Hause gar nicht dafür aufgestellt ist. Ich plädiere deshalb auch immer dafür, sich die 40 Fastentage aufzuteilen und sich von leicht nach schwer vorzuarbeiten.

Hm, die Fastenzeit hat ja aber schon angefangen, was macht man, wenn man jetzt einsteigen möchte aber die Vorbereitungszeit fehlt?

Auch jetzt kann man also noch damit anfangen und dann nimmt man sich die erste Woche halt für die Vorbereitung, die zweite, um mal Obst und Gemüse lose einzukaufen und mal seine Nase in Läden reinzustrecken, wo man vielleicht sonst nicht einkauft, wie kleine Bioläden, ethnische Gemüsemärkte, Asia-Shops usw. Die Woche darauf kann man mal die Sachen ausprobieren, die vielleicht etwas Überwindung kosten: Beim Bäcker darum bitten, die Brötchen in den Jutebeutel zu bekommen, mal im Restaurant oder Café Strohhalm und Serviette abbestellen, beim Bäcker mit Backstube seine Backzutaten kaufen, Kaffeesatz als Peeling nehmen…

Puh, ja, klingt nicht radikal, aber auch nicht ohne… Gibt es vielleicht eine Light-Variante ;)?

Ja, ich selbst lebe zwar Zero Waste, also annähernd müllfrei, muss aber gestehen, dass mein Favorit eigentlich das Konsumfasten ist! Einfach mal lernen, es sein zu lassen! Da freut sich auch der Geldbeutel. Übermäßiger Konsum ist einfach die Wurzel fast aller Umwelt- und Müllprobleme. Die meisten von uns haben sowieso die Schränke voll, d.h. es tut mal gut, die Vorräte tatsächlich aufzubrauchen statt schlecht werden zu lassen und es wird auch keiner ernsthaft Gefahr laufen, dem Hungertod Opfer zu fallen. Man kann ja sagen, man kauft als einzige Ausnahme frisches Obst und Gemüse nach und höchstens so was wie die Zahnbürste, sollte sie wirklich ausgerechnet jetzt ausgetauscht werden müssen. Dann aber gerne auch eine Bambuszahnbürste aus dem Bioladen.

1 Kommentare

  1. Liebe Shia,

    angeregt durch dein Buch reduziere ich ja seit einigen Monaten meinen Müll und mache jetzt mal 7 Wochen komplett ohne Plastikmüll. Einzige Ausnahme wird wohl das Toilettenpapier sein, was ich leider auch im LoseLaden (noch) nicht plastikfrei bekomme.

    Du hast recht, mit entsprechender Vorbereitung ist es machbar. Ich bekomme nur positive Reaktionen, so dass es richtig Spaß macht.
    Ich werde das sicher über die Fastenzeit hinaus beibehalten.

    Weiterhin Gutes Ankommen in Kanada!
    LG
    Katja

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