Müllfrei umziehen

Jeden Sonntag gibt es eigentlich um 14:30 Uhr bei COSMO von mir etwas zu Nachhaltigkeit auf die Ohren, aber im März gehe ich wegen Umzugs nach Kanada (nur für 1 Jahr) erst mal kurz auf Sendepause.

Besser bekannt ist der Radiosender wahrscheinlich momentan noch unter Funkhaus Europa, dem internationalen und interkulturellen Hörfunkprogramm von den öffentlich-rechtlichen Sendern WDR, Radio Bremen und Rundfunk Berlin-Brandendenburg. Seit dem 1. Januar 2017 nun umbenannt in COSMO.

Zu empfangen in NRW auf 103,3 MHz, in Bremen und Teilen Niedersachsens auf 96,7 MHz, in Bremerhaven auf 92,1 MHz und in Berlin und Umgebung auf 96,3 MHz.

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Werdet ihr auch immer gefragt, ob ihr als Umzugshelfer einspringt? Bei Freunden, den ich mal vor ein paar Jahren geholfen habe, habe ich beim Einzug eine Box mit einer Enzyklopädie in den Keller getragen. Und als sie kürzlich wieder umgezogen sind, hatte ich haargenau die gleiche Box mit der gleichen Enzyklopädie – das Ganze nur in sehr sehr verstaubt – wieder aus dem Keller rausgetragen… Verrückt, oder? Wir haben alle so viel Krams, den wir überhaupt nicht nutzen – und demnach auch eigentlich nicht brauchen! Aber was macht man damit? Ab in den Müll? Nee! Das ist nicht nachhaltig. Unsere müllfrei lebende Nachhaltigkeitsexpterin Shia Su – die steckt auch gerade mitten im Umzug und weil sie für ein ganzes Jahr nach Kanada zieht, mistet sie aus, was das Zeug hält.

Umziehen ohne dass Müll anfällt. Kriegst Du das hin?

Nein, leider, ganz ohne läuft das leider auch bei uns gerade nicht ab. Das mit dem fast müllfreien Leben machen wir seit September 2014, und was jetzt so an Müll dann doch anfällt, ist tatsächlich alles noch von vorher! Das sind vor allem viele leere Kartons und Polstermaterial vom Online-Shoppen früher – ja, auch ich hab das früher gemacht… Dennoch – mich wundert es selbst, wie viel man auch da rausholen kann! Muss nämlich auch nicht alles immer in den Müll kommen…

Shia, warum landen tote Pflanzen oder Holzreste von der Einbauküche bei Dir nicht auf dem Sperr-Müll?

Ja, früher hätte ich einfach Sperrmüll bestellt oder eine fette Fuhre zum Wertstoffhof gekarrt. Aber da hatte ich auch noch ein Auto und mir nicht wirklich viele Gedanken darüber gemacht, was eigentlich mit dem Müll so danach passiert. Weil – für mich isser weg – aus den Augen aus dem Sinn und so… – aber in Wirklichkeit ist er ja noch in der Welt. Also – werde ich heute kreativ und suche nach Alternativen zur Müllverbrennungsanlage! Klappt nicht immer, wie beim Farbeimer mit angetrockneter Farbe vom Einzug, aber trotzdem – bei 90% der Sachen klappt das!

Aber was machst Du mit Sachen wie Holzresten und toten Pflanzen?

Unsere toten bzw. zum Teil sogar nur halbtoten Pflanzen gingen z.B. nicht in den Restmüll – bei uns gibt es leider keine Biotonne – sondern an eine Freundin, die einen Garten inklusive grünen Daumen hat. Was noch etwas Leben in sich hat, wird eingepflanzt und aufgepeppelt, was tot ist ist wird halt untergebuddelt. Die Holzreste von der Einbauküche bekommt mein Schwiegervater, der ist nämlich Hobbyhandwerker und kann so was immer gebrauchen.

Aber was ist mit Dingen wie der alte Toaster oder das alte Wohnzimmersofa?

Solche Sachen stelle ich zum Verschenken an Selbstabholer in Facebook-Gruppen und auf ebay-Kleinanzeigen. Funktioniert auch super mit allerlei Krimskrams! Darüber haben die alten Versandkartons, angebrochene Gewürze, Kabelbinder, oder auch die unsexy Brillenputztuch-Collection allesamt ein neues Zuhause gefunden. Sogar meine alten gesammelten Werke an Bahnhofs-Klo-Wertebons wurden mit Freude abgeholt, und ausgerechnet mein Wust an Kabeln und die über 10 Jahre alten SD-Karten – die ich früher als Elektromüll weggeworfen hätte – wurden mir förmlich aus der Hand gerissen, weil Leute mit alten Geräten die nämlich händeringend suchen, weil man die nur sehr schlecht nachkaufen kann – gibt’s kaum noch. Also, man erwartet das bei vielen Sachen wirklich nicht, aber irgendwer kann immer genau das, was da irgendwo vor sich hinschlummert noch gebrauchen! Was für mich “Müll” war ist für jemand anderen richtig wertvoll!

Ahhh, Wiederverwendung ist also der Schlüssel?

Genau, Wiederverwendung geht bei mir definitiv vor Recycling. Man muss dann aber natürlich schon sehr rechtzeitig – wenn man wie ich umzieht – mit dem Aussortieren und dem Weggeben anfangen. So eine Woche vor Auszug wird das nichts. Da ist das Höchste an Gefühlen die Fahrt zu einer sozialen Einrichtung, wo man alles einmal ablädt. Das funktioniert dann allerdings so, dass das durchgeguckt wird und was sich für die jeweilige Einrichtung nicht lohnt wird auch da einfach entsorgt. Es ist schon aufwändiger, die Sachen einzeln oder gruppiert abzufotografieren und ins Internet zu stellen, um einen neuen Besitzer zu finden. Aber inzwischen gehört das für mich einfach mit zu meiner Verantwortung als Konsument: Wenn ich den Scheiß kaufe, bin ich auch für die verantwortungsvolle Abgabe zuständig. Da merkt man aber auch mal, wie viel Zeugs man so gedankenlos ankarrt. Nach dem Aufwand jetzt überlege ich es mir zweimal, ob ich etwas tatsächlich kaufen muss oder will!

Apropos kaufen: Wir haben ja jetzt vom Aussortieren geredet. Was ist denn mit den Sachen, die man sich für einen Umzug kaufen muss? So Umzugskartons oder mal eine Sackkarre?

Ach, Umzugskartons hat meistens jemand im Freundes- und Bekanntenkreis noch vom Einzug übrig. Häufig werden die auch in Facebook-Gruppen verschenkt oder man kann sich die berühmten Bananenkisten im Supermarkt geben lassen. Noch viel besser für Umzüge sind aber übrigens Bücherkartons, die sind an Stabilität kaum zu übertreffen und die haben im Gegensatz zu den Bananenkisten unten auch kein Loch. Einfach beim Buchhändler nachfragen.
Ja, und wer den Umzug selbst macht, der mietet sich ja häufig sowieso einen Transporter. Viele Autovermietungen bieten zu den Transportern nämlich auch Umzugszubehör – wie eben Sackkarren und Gurte an.

Ok, Und wenn ich jetzt in der neuen Wohnung bin. Dann möchte ich mir vielleicht ein neues Regal gönnen, das eingepackt ist und das ich zusammenbauen muss. Wie soll ich das müllfrei machen?

Und wenn man dann in der neuen Wohnung ist, gilt ebenfalls: Werkzeug kann man sich ausleihen oder im Baumarkt mieten und auch für die Einrichtung muss man nicht immer alles neu kaufen. Viele gebrauchte Schätzken findet man, wenn man mal den Dachboden von Oma plündert oder auf dem Flohmarkt stöbert. Oder Secondhand Online-Shopping mit Abholung vor Ort. So schont man nicht nur die ohnehin knappen Ressourcen, sondern macht ganz schön viele Schnäppchen!

2 Kommentare

  1. Danke für die guten Tipps 🙂 Immer wieder spannend, diese „Alltagsprobleme“ hier zu lesen und neue Inspiration zu bekommen…
    Liebe Grüße,
    Ela

  2. Ich hab einen Bürojob und was da täglich für Massen an großen Kartons rein kommen, ist der Wahnsinn! Da habe ich schon einige für Freunde mitgenommen oder für mich selbst gebunkert 🙂

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