Minimalismus – befrei dich von Ballast!

Jeden Sonntag gibt es eigentlich um 14:30 Uhr bei COSMO von mir etwas zu Nachhaltigkeit auf die Ohren! Besser bekannt ist der Radiosender wahrscheinlich momentan noch unter Funkhaus Europa, dem internationalen und interkulturellen Hörfunkprogramm von den öffentlich-rechtlichen Sendern WDR, Radio Bremen und Rundfunk Berlin-Brandendenburg. Seit dem 1. Januar 2017 heißt der Sender aber COSMO.

Zu empfangen in NRW auf 103,3 MHz, in Bremen und Teilen Niedersachsens auf 96,7 MHz, in Bremerhaven auf 92,1 MHz und in Berlin und Umgebung auf 96,3 MHz.

► Hier gibt’s den Beitrag nachhören
► COSMO Livestream

Weniger ist mehr. Den Spruch hört man ja oft. Es gibt aber Menschen, die das zu ihrem  Lebensstil gemacht haben: Minimalisten. Einige leben sogar mit weniger 100 Besitztümern. Und die schwören ja drauf, dass es mit Verzicht nix zu tun hat! Unsere COSMO-Nachhaltigkeitsexpertin Shia Su ist nicht ganz so krass minimalistisch, lebt aber sehr bewusst. Und als es für sie vor kurzem für ein Jahr nach Kanada ging, hat sie gerade mal Handgepäck im Flieger dabei. Würde ich ein Jahr ins Ausland gehen, würd ich glaub ich meinen halben Hausstand mitschleppen.

Shia, warum lebst Du denn minimalistisch?

Nun, weil Minimalismus für mich generell unglaublich viel mit Nachhaltigkeit zu tun hat.  Ganz einfach deshalb, weil man automatisch viel bewusster und damit auch viel nachhaltiger lebt. Und ja, man schleppt im wahrsten Sinne des Wortes weniger Ballast mit sich rum. Und darum geht es beim Minimalismus: Sich auf das Wesentliche konzentrieren und sich mal von unnötigem Ballast befreien.

Shia, wie befreie ich mich denn von unnötigen Ballast?

Das fängt vor allem im Kopf an. Ich mein, klar, du könntest jetzt einfach mal wild und radikal deine ganze Wohnung ausmisten, aber das bringt ja alles nix, wenn du danach tot-traurig bist und dir alles wieder neu kaufst. Es hilft aber schon, mal seine Sachen durchzugucken und sich mal zu fragen: Hab ich das in den letzten 3 Monaten überhaupt gebraucht? Hab ich dran gedacht? Werde ich das in den nächsten 3 Monaten brauchen?  Und dann vielleicht auch mal überschlagen, wie viel Geld das einen gekostet hat, sprich, wie viel Geld ungenutzt rumliegt. Da fallen einem schnell Dinge an, wofür man das Geld besser hätte ausgeben können…

Aber gut, das Geld ist ja ausgegeben, dann kann ich das Zeug doch auch genauso gut behalten?

Kannst du natürlich auch machen, aber du hast ja nix von und ist die womöglich noch im Weg. Ich finde, es ist immer ein schöner Gedanke, zu wissen, dass die Sachen auch irgendwo tatsächlich in Gebrauch sind und gute Dienste leisten. Ich persönlich würde es also lieber verschenken, verkaufen oder spenden. So schaffst du auch Platz zu Hause – yay, endlich mal wieder mehr Platz! – und musst weniger aufräumen, sortieren, verstauen, putzen, reparieren und beim nächsten Umzug dankt es dir dein Rücken und deine Umzugshelfer. Besitz ist halt irgendwie doch Verantwortung. Und am Ende macht es uns ja doch nicht glücklich. Wäre das der Fall, müssten wir alle vor Freude nur so übersprudeln, weil wir ja alle so viel mehr Dinge haben, als wir brauchen.

Also heißt das konkret, das nächste Mal lieber nicht shoppen gehen, wenn man frustriert ist?

Genau. Ich mein, das neue Paar Schuhe löst ja nicht wirklich die Beziehungskrise, wegen der man ja eigentlich frustriert ist, nicht wahr? Ist aber klar, in genau dem Moment möchte man sich etwas gönnen, um wieder bessere Laune zu haben. Was da viel besser und nachhaltiger hilft als shoppen gehen ist Sport. Oder man unternimmt was Schönes mit Freunden. Klettern gehen, zusammen kochen, Filmeabend, Beauty-Tag, Paintball… Und natürlich: Das eigentliche Problem lösen bzw. wenn das nicht geht – liegt ja nicht immer nur an einem selber – dann Wege finden, es hinter sich zu lassen.

Ah, man befreit sich also nicht nur vom materiellen, sondern auch vom emotionalen Ballast. Kann man das so sagen?

Ja, finde ich schon. Für mich geht es es beim Minimalismus auch gar nicht ums Ausmisten oder so wenige Dinge wie möglich zu besitzen, sondern darum, zu lernen, was mich eigentlich langfristig auch glücklich macht. Und echte Erfüllung findet man halt in den nicht-materiellen Dingen: Gute Beziehungen führen, Zeit mit lieben Menschen verbringen, mal die Ruhe zum Abschalten haben, Zeit für Hobbies haben. Wenn man weniger Geld damit verschwendet, unnützes Zeugs zu kaufen, muss man auch weniger arbeiten und hat mehr Zeit für genau diese Sachen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.