Leben auf kleinem Raum: Tiny Houses und Micro-Apartments

Jeden Sonntag gibt es eigentlich um 14:30 Uhr bei COSMO von mir etwas zu Nachhaltigkeit auf die Ohren! Besser bekannt ist der Radiosender wahrscheinlich momentan noch unter Funkhaus Europa, dem internationalen und interkulturellen Hörfunkprogramm von den öffentlich-rechtlichen Sendern WDR, Radio Bremen und Rundfunk Berlin-Brandendenburg. Seit dem 1. Januar 2017 heißt der Sender aber COSMO.

Zu empfangen in NRW auf 103,3 MHz, in Bremen und Teilen Niedersachsens auf 96,7 MHz, in Bremerhaven auf 92,1 MHz und in Berlin und Umgebung auf 96,3 MHz.

► Hier könnt ihr diesen Talk nachhören
► COSMO Livestream

Wohnungsmangel und fast unbezahlbare Mieten sind inzwischen nicht nur Realität in Weltmetropolen wie London, Paris, New York oder Tokio. Auch in deutschen Großstädten ist dieser Trend angekommen – Mietwucher, Gentrifizierung und Verdrängung sind die Folge. Als Antwort darauf macht sich ein Gegentrend breit: Tiny Living – leben auf manchmal schon wirklich kleinstem Raum. COSMO-Nachhaltigkeitsexpertin Shia Su sagt, dass Wohnen auf kleinstem Raum auch nachhaltiger ist. Sie selbst lebt gerade mit ihrem Mann auf nur 32qm im Herzen von Vancouver an der kanadischen Westküste.

Shia, warum sollte man überhaupt auf kleinstem Raum wohnen?

Ja, die Bezahlbarkeit hattest du ja schon angesprochen. Wir würden es uns sonst auch auf gar keinen Fall leisten können, mitten in Downtown Vancouver zu leben! Aber es geht eben auch um Nachhaltigkeit. Es muss nämlich weniger geheizt werden, man verbraucht auf kleinerer Wohnfläche auch weniger Strom, weil man sich kleinere Geräte hinstellt, es wird weniger Fläche versiegelt. Außerdem passt sich automatisch das Konsumverhalten auf ein gesünderes Maß an. Man kennt das ja: Egal, wie groß die Wohnung, man stellt sie voll. Auf so kleinem Raum merkt man schnell, dass man anfängt, unnötiges Zeugs anzuhäufen.

Und Shia, das ist nicht eure erste kleine Wohnung…

Nein, das ist sie nicht. Ich bin mittlerweile vollkommen überzeugt davon, dass es viel angenehmer ist, klein zu wohnen. Als mein Mann noch mein Freund war bin ich “nur übergangsweise” in seine 19,5qm Wohnung gezogen, weil ich unbedingt aus meiner WG raus wollte. Am Ende wohnten wir zwei Jahre lang zusammen in der Wohnung, weil es uns so gut gefiel. Wir sind irgendwann in eine größere Wohnung umgezogen, weil unser beider Eltern unsere Wohnsituation nicht so toll fanden.

Wie groß war dann die größere Wohnung?

Die war 44qm groß und hatte zwei Zimmer. Aber das war nix für uns. Je größer die Wohnfläche, desto mehr muss die Wohnung geputzt und in Stand gehalten werden. Wie viel Zeit und Energie das frisst, fällt erst auf, wenn man mal klein gewohnt hat und dann wieder in eine “normale” Größe umzieht. Plötzlich ist nichts mehr in Reichweite. Zum Reden muss man sich manchmal schon anschreien. Und je mehr Zeug man besitzt, umso mehr herrscht Unordnung. Unsere nächste Wohnung war wieder kleiner: 36qm in Tokio mit ebenfalls 2 Zimmern. Dort haben uns da alle um unsere “riesige Wohnung” beneidet! Größe ist halt immer eine Frage der Perspektive.

Und Freiheitsgefühle adè? Sag bloß, das ist auch eine Frage der Perspektive?!

Ja, definitiv. Ich würde eher sagen, uns geht es gerade um Freiheit. Gerade in teuren Großstädten kann es echt schwer sein, den Lebensunterhalt zusammenzukratzen. Man hat also häufig gar nicht die Zeit, die Energie oder eben das nötige Geld das Angebot der Stadt zu nutzen. Anderen geht es darum, dass sie sich beim Kauf einer kleinen Wohnung oder Bau eines sogenannten “Tiny House”s nicht oder kaum verschulden müssen. Das heißt eben auch, dass man sich nicht weig an einen Kredit bindet. Mit solchen finanziellen Verpflichtungen überlegt man sich auch zweimal, ob man den Job, der einen unglücklich macht, nicht doch kündigen sollte.

Wie sehr muss man sich denn einschränken im Alltag?

Das kommt natürlich darauf an, was man gewohnt ist und auch, wie materiell man ist. Wer viel Wert auf den Besitz vieler Dinge legt, kommt natürlich schneller an seine Grenzen als in einer großen Wohnung. Ansonsten ist es wirklich nur eine Frage der Gewohnheit. Anfangs muss man sich schon umstellen und sich vor allem kennenlernen. Welche Dinge brauche ich wirklich und welche tragen eigentlich gar nichts zu meiner Lebensqualität bei?

3 Kommentare

  1. Ich stimme völlig zu! Mein Freund und ich wohnen in München und haben vor kurzem in eine kleinere Wohnung umgezogen, weil die Mieten zu hoch für uns sind…Wir schlafen momentan im Wohnzimmer auf der Couch und haben auch nur ein kleines Bad mit Dusche, dafür haben wir einen Garten. Einen Teil unserer Möbel haben wir bei einem Selfstorage – http://www.lager4you.com/ eingelagert, damit wir diese später noch besser sortieren können. Zur Zeit fühlen wir uns hier wohl – selbst aus der kleinsten Wohnung mit nur wenig Stauraum lässt sich mit ein wenig Planung und ein paar nützlichen Tricks ein gemütliches Zuhause schaffen :))

    VG,
    Ines

  2. dorothea

    Wir jammern im herrlichen Hamburg wo ich lebe über hohe Mietpreise und Wohnungsmangel. Dabei haben wir im europäischen Vergleich einen hohen Konsum an Wohnraum. Wie viel im Durchschnitt weiß ich jetzt gar nicht, aber dass ich als Einzelperson in eine fünzig Quadratmeter große Wohnung gezogen bin ist eigentlich ziemlicher Luxus. Meine Mama ist auf 62 Quadratmetern mit 4 Personen aufgewachsen, darüber hat sich noch vor fünfzig Jahren keiner beschwert. Das Haus in dem ich lebe hat neun Mietwohnungen, drei davon mit nur einem Zimmer, sechs sind so wie meine geschnitten, nämlich mit einer Flügeltür zwischen den beiden Zimmern, so wie einem typischen briefmarkengroßen „Hamburger Bad“, winziger Küche und einer Karikatur von Flur. 😉 Daher wohnen in dem Haus bis auf in einer weiteren Wohnung nur Singles. Da geht natürlich eine Menge Platz flirten. Wenn mein Freund und ich nächstes Jahr zusammen ziehen muss es aber eine größere Wohnung sein da er mehrere Katzen hat (so süß!) und wir entsprechend mehr Platz brauchen, am besten auch noch mit kleinem Gärtchen damit die raus können. Ich freue mich schon auf die Suche. 😉

  3. not macht erfinderisch! ich schätze an meiner kleinen wohnung, auch knapp 30 m2, vor allem dass sie so schnell zu reinigen ist! „huch, ich bin ja schon fertig!“ bald steht der zusammenzug mit meinem freund an, und ich freu mich schon richtig aufs neuerliche aussortieren – unfassbar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.