Kompostieren in der Stadtwohnung mit einer Wurmkiste


Ich sage es immer wieder gerne laut: WIR HABEN WÜRMER 😇! Heute durfte ich das sogar einmal bei Funkhaus Europa im Radio schön rausposaunen 😂.

Ja, wir haben sogar ziemlich viele, so um die 3000 nämlich, und jeder hat einen eigenen Namen 😉. Nein, nicht wirklich, dafür sind wir einfach zu schlecht mit Namen. 3000 Würmer in einer Kiste – man könnte schon glatt von liebevoller Massentierhaltung ohne Freilauf und tierärztliche Betreuung sprechen, na, ob das noch vegan ist 😂?

Tja, die Rede ist von unserer Wurmkiste! Die steht bei uns in der Küche und darin leben unsere Kompostwürmer, die unsere Küchenabfälle futtern und als Gegenleistung besten (und im Handel ziemlich teuren) Dünger, Wurmhummus (nein, diesen Hummus bitte nicht essen 😜) genannt, ausscheißen. Sie tun darin den lieben langen Tag nix anderes als futtern, kacken und sich fortpflanzen – was für ein Lotterleben!

Wurmkiste – Kompostieren in der Stadtwohnung

Was genau ist eine Wurmkiste? Und stinkt sie nicht??


Eine Wurmkiste wird auch je nach Zweck Wurmfarm oder Wurmkompst genannt. Angler halten sich auch häufig Wurmkisten als Wurmfarm, um immer Köder zu haben. Dabei liegt der Fokus nicht auf dem Kompostieren von Küchenabfällen, sondern einfach nur dem Halten („hältern“ genannt) der Würmer als Köder. Es gibt natürlich auch kommerzielle Wurmzuchten, die dann auch eher von Wurmfarmen sprechen. Es gib auch die eher seltene, aber durchaus charmante Bezeichnung Wurmcafé, awwwww 😆.

Ich sprech aber eigentlich immer von Wurmkiste, denn wie der Name erahnen lässt, handelt es sich dabei um eine Kiste, in der Würmer leben. Gut, dass wir das geklärt hätten 😜. Die Würmer darin sehen zwar fast so aus wie kleinere Regenwürmer, sind aber Kompostwürmer. Sie essen die sich durch von Mikroorganismen zersetzten Teile der Schnippelabfälle sowie Papier und Pappe und das Verdaute ist dann wertvoller Dünger, den man für seine Pflanzen verwenden kann. Da wir allerdings keinen Grünen Daumen haben, werden wir den Dünger an die liebe Vany, die diesen netten Gastbeitrag mal für mich geschrieben hatte und einen Garten hat, verschenken.

Wurmkiste – Kompostieren in der Stadtwohnung

Ein mini-kleiner Babywurm ❤️!

Naja, etwas komplexer ist es dann doch. Es ist nämlich eigentlich ein ganzes Ökosystem in einer Box! Deshalb stehen in einigen Schulen Wurmkisten mit einer Glasscheibe drin, damit Kinder zur Umweltbildung den Würmern bei der Arbeit zugucken können und direkt die verschiedenen Schichte sehen. Damit die Würmer vor dem Licht geschützt sind gibt es sogar einen Vorhang vor der Scheibe 😆. Fast schon wie im Kino 😜!

Die Kompostierung darin läuft geruchlos ab, weil Sauerstoff dran kommt. Im Gegensatz zum Biomüll oder eurem Küchenmülleimer stinkt die Wurmkiste also nicht. Unsere riecht je nachdem, was wir gerade reingetan haben nach Kaffee, Kohl oder, wie jetzt gerade, nach gemähtem Rasen, weil wir Unkraut und Gras vom Balkon drin haben. Ansonsten riecht sie nach nassem Laub, also leicht modrig. Wenn eure Wurmkiste stinkt, dann ist was ganz gewaltig schiefgelaufen…

Mehr Infos zur Wurmkompostierung gibt es hier.

Für wen ist denn so eine Wurmkiste etwas?

Eine Wurmkiste ist vor allem für Stadtkinder wie mich interessant, die keinen Garten und/oder im Mietshaus keine Biomülltonne haben, aber auch für andere Menschen, die ihre organischen Abfälle ökologisch nicht nur entsorgen, sondern upcyceln wollen. Beim Upcyceln entsteht nämlich aus Abfall etwas Wertvolleres als vorher, und der Wurmhummus ist ein sehr wertvoller, im Handel eher teurer Dünger.

Ich habe aber eine Biomülltonne, das ist doch genauso öko, oder?

Die Biotonne ist auf jeden Fall schon mal eine coole Sache, aber leider trotzdem nicht so ökologisch wie selbst zu kompostieren 😉.

Für einige Städte lohnt sich die Einrichtung und Abholung von Biomüll zum Beispiel gar nicht, weil aus dem eingesammelten Biomüll weniger Energie gewonnen werden kann als die Abfuhr verfährt.

Was wir außerdem häufig vergessen, ist, dass dahinter ein ganzes, riesiges logistisches System steckt, das ebenfalls gebaut und unterhalten werden muss. Es müssen extra Fahrzeuge für die Abfuhr von Biomüll gebaut und unterhalten werden. Jede neue Müllart bedeutet, dass alle Straßen der Stadt einmal mehr mit einem Fahrzeug abgeklappert werden müssen. Die Biogasanlagen, in die der Biomüll kommt, müssen natürlich ebenfalls gebaut und unterhalten werden. Das muss erst mal durch den Biomüll wieder reingeholt werden. Außerdem wird Biomüll nicht zu Kompost, sondern energetisch Verwertet, was im engeren Sinne kein Recycling ist. Was übrig bleibt ist aber doch wieder was Schönes, nämlich Blumenerde 🌻.

All diese energie- und ressourcenfressenden Posten fallen weg beim hauseigenem Kompostieren. Lokaler geht es wirklich nicht und ist sogar ein Upcycling 😉.

Darf da also alles rein, was sonst in den Biomüll kommt?

Nein, leider nicht. Also keine gekochten Essensreste, Bananenschalen, Fleisch oder Milchprodukte, weil die zu schnell gammeln, und stark riechendes wie Citrus, Zwiebeln und Knoblauch wird leider auch verschmäht. Die Würmer sind sozusagen Rohkostveganer und machen Ausnahmen nur für Tee- und Kaffesatz. Dann kommt da noch Pappe und Papier rein für die ausgewogene Wurm-Ernährung. Aber pssst: In kleinen Mengen kommen bei uns trotzdem Bananenschalen (nur Bio-Schalen, sonst töten die Pestizide darin die gesamte Wurmkiste ab!), Citrus, Zwiebeln und Knoblauch rein, denn unsere fröhlich unverhütet poppende Wurmpopulation frisst schon schneller und mehr, als das, was wir an Küchenabfällen überhaupt generieren, und wie heißt es so schön: „Der Hunger treibt’s runter 😂“. Im veganen Café Corba hier in Bochum hatte man sogar schon Mitleid mit den Würmchen als ich das erzählte und hat mir schon paar Mal Kaffeesatz mitgegeben, damit die armen Dinger auch genug essen bekommen 💚. Wobei das nicht wirklich nötig ist. Die Population regelt sich nach Futtermenge und Umgebung, d.h. sie vermehren sich auch nur so stark, wie es Nahrung gibt und bleibt irgendwann konstant.

Wurmkiste – Kompostieren in der Stadtwohnung

Her sieht man Stofftaschentücher in der Kiste. Wir hatten einen Schwung alter Stofftaschentücher geschenkt bekommen, aber einige davon hatten Blutflecken, sodass wir beschlossen, sie zu kompostieren 😉.

Aber auch Sachen wie Baumwolle, Leinen, aufgebrauchte Lufah-Schwämme sowie der Stiel der Bambuszahnbürsten (und je nach Hersteller sogar die Borsten) können kompostiert werden. Eierschalen sollen ganz toll für die Würmer sein, aber als Veganer haben wir sie natürlich nicht und hatten bisher noch wenig Ambitionen, sie irgendwo bei anderen zu erschnorren 😜. Dafür darf fast alles rein, was bei uns so anfallt, hehe.

Man merke sich aber: Kompostiert werden kann nichts, wo noch Leben drin steckt. Also ungeröstete Samen und Kerne sprießen z.T. in der Kiste 😉. Wir schneiden sie einfach einmal durch bevor wir sie reintun. Ja, ich weiß, grausam, grausam 😜.

Was überraschenderweise kompostiert werden kann:
  • Staub und was man halt so zusammenkehrt oder sich im Staubsaugerbeutel sammelt
  • Haare
  • Finger- und Zehennägel
  • Tote Zimmerpflanzen inkl. der Erde (ja ja, wir haben’s leider echt nicht so mit dem Grünen Daumen 🙈)
  • Nussschalen (außer von Walnüssen, da die toxisch für Pflanzen sein können)
  • Schlecht gewordene Marmelade oder Eingekochtes in kleinen Mengen
  • Trockenes Hunde-, Katzen- und Fischfutter
  • Kot von Nagetieren und Vögeln, aber nicht von Hunde und Katzen!
  • Abgebrannter Rest vom Streichholz
  • Echter Korken (also nicht die Dinger aus Plastik)

Was darf weder in die Wurmkiste noch in den Biomüll?

Was weder in den Biomüll noch in die Wurmkiste soll sind Biokunststoffe! Die „Biomülltüten“ aus Maisstärkenplastik u.Ä. verstopfen nämlich die Biogasanlagen, da sie selbst unter den brühend heißen Bedingungen in diesen Anlagen mehr als fünf Jahre bräuchten, um zu zerfallen. Und im anderen Müll, sprich Gelber Sack und Restmüll, werden Biokunststoffe einfach wie reguläres Plastik behandelt und landen in der Müllverbrennung bzw. der „energetischen Verwertung“, werden also ebenfalls verbrannt, nur halt in Kohlekraftwerken oder Fabrikeigenen Kraftwerken. Auch gehört Hochglanzpapier weder in der Biomüll noch in den eigenen Kompost.

Wurmkistenarten

1. Vertikale Wurmkisten

Diese Kisten gibt es hauptsächlich in Plastik, sind aber dafür sehr anfängerfreundlich und passen je nach Modell sogar unter die Spüle.

Im Grunde kommt das „Essen“ für die Würmer immer oben drauf und die Würmer wandern halt immer nach oben zum neuen Futter, sodass man irgendwann die komplett kompostierte Schicht unten wegnehmen kann. Da die Flüssigkeit nach unten sickert, ist unten ein kleiner Zapfhahn dran, womit man den sogenannten „Wurmtee“ abzapfen kann, ein hervorragender Flüssigdünger. Somit kann nichts unten vernässen.

Allerdings muss man beim ernten des Kompostes den noch mal nach Würmern durchkämmen, weil wegen der Feuchtigkeit in der Regel doch noch Würmer drin sind. Hier ein Video, wo gezeigt wird, wie das geht:

Oder man lässt sie einfach drin, die sind ja auch gut für Pflanzenerde 😉.

2. Horizontale Wurmkisten

Das ist das System, das wir haben. Das wird meistens Anfängern nicht so angeraten, weil man da mehr falsch machen kann als beim vertikalen System, da man ohne Zapfhahn unten die Feuchtigkeit der Kiste selber im Blick behalten muss. Wir haben uns doch dafür entschieden, weil es die in der Regel aus Holz gibt. Da mein Mann und ich beide zwei linke Handwerkerhände haben hatten wir uns eine solche Holzkiste gekauft. Man kann sie aber auch selber bauen. Anleitungen dazu habe ich euch am Ende des Artikels verlinkt.

Horizontale Wurmkisten haben meisten ein zwei-Kammern-System mit einem Gitter dazwischen. Man füllt seine Küchenabfälle + Papier und Pappe immer in die eine Kammer, bis sie nach ca. 1,5 Jahren voll ist. Ja, ihr lest richtig – anderthalb Jahre! Das liegt daran, dass 10 Liter Küchenabfälle am Ende zu nur einer Handvoll Kompost zusammenfällt. Wenn also eine Kammer voll ist, geht man zur nächsten über. Irgendwann haben die Würmer alles in der ersten Kammer aufgefuttert und fertig kompostiert und wandern durch das Gitter zur zweiten Kammer. Die erste Kammer lässt man dann so weitere 3-4 Monate lang austrocknen, damit wirklich kein Wurm mehr drin ist (Würmer brauchen Feuchtigkeit) und kann dann den Kompost einfach ausschippen. Und so wechselt man immer die Kammern bis nach ca. 5-6 Jahren die Kiste auch durch ist, weil das (unbehandelte) Holz natürlich auch langsam von den Würmern abgetragen wird.

Woher bekomme ich Kompostwürmer?

Ich naives Stadtkind kenne leider so gar niemanden mit einem Komposthaufen. Also versuchte ich, über eine der lokalen Facebook-Gruppen bei uns jemanden zu finden, der mir Kompostwürmer abgibt. Fehlanzeige. Also bestellte ich mir welche über Ebay für, ich meinte, 30-40 EUR 😂.

Heute bin ich schlauer und weiß, dass man als Stadtmensch bei Kleingartenvereinen oder Urban-Gardening-Projekten nachfragen kann. Die haben meistens irgendwo einen ode mehrere Komposthaufen, wo man sich was abzwacken darf, wenn man lieb fragt und eine kleine Spende ist sicherlich ebenfalls immer gern gesehen.

Wer auf dem Land lebt findet sicherlich in der Nachbarschaft noch jemanden mit einem Komposthaufen oder kennt einen Pferdehof in der Nähe. Denn wo Pferdemist ist, da sind ganz sicher Kompostwürmer, denn das ist deren Leibspeise 😂…

Ist Kompostwurm gleich Kompostwurm? Und kann ich nicht einfach Regenwürmer sammeln gehen?

Nein, Regenwürmer kompostieren zwar auch, aber erstens nicht so gut, und zweitens halten sie sich in tieferen Erdschichten auf, d.h. sie würden in einer Kiste mit geschlossenem Boden eingehen!

Generell kann man auch bei Regenwetter draußen mal Würmer sammeln gehen. Es gibt verschiedenen Wurmarten, die gut kompostieren und sich in den oberen Erdschichten (z.B. im Laub) aufhalten. Allein gemeinsam ist in diesen Breitengraden, dass sie alle rot und kleiner als Regenwürmer sind. Regenwürmer sind eher länglich, blass und rosa bis weißlich.

Es gibt in Zoohandlungen auch Laubwürmer, die als Futter verkauft werden, die eignen sich auch und fühlen sich in der Kiste auch wohl. Allerdings kompostieren sie nicht ganz so gut wie extra als Kompostwürmer verkaufte Wurmarten und sie werden meines Wissens in Plastikboxen verkauft und kosten umgerechnet recht viel (ca. 50-100 Stück für 4 € oder so). Wer Geduld hat, kann sich daraus ganz langsam aber auch eine Population heranzüchten.

Im „Wurmfachhandel“ – ja, so heißt das wirklich 😁 – kann man sich dann die Kompostwürmer der Art Eisenia andrei und Eisenia foetida kaufen. Diese fressen pro Tag die Hälfte des eigenen Körpergewichts, was eine Menge ist und ruhig unter verfressen eingestuft werden kann 😉. Außerdem sind sie sexuell sehr aktiv und können bis zu 1000 Nachkommen pro Jahr zeugen.

Dann gibt es noch Dendrobaena veneta, der deutlich größer ist als beide Arten (aber kleiner als ein Regenwurm) und deshalb gerne von Anglern als Köder benutzt wird… Er frisst sehr viel, kompostiert also sehr gut, aber vermehrt sich nicht so schnell.

Es wird häufig empfohlen, einen Wurm-Mix in die Kiste zu setzen. Mit der Zeit setzt sich dann die Art durch, die am besten zur eigenen Kiste passt. Wir hatten übrigens neben den drei Kompostwurm-Arten außerdem noch Laubwürmer eingesetzt und je nachdem, wo wir buddeln finden wir auch noch nach über einem Jahr Knäule der verschiendenen Würmer. Bei uns scheint sich also noch keine Art durchgesetzt zu haben, und sie teilen sich das Futter offenbar ganz gerne auf 😊.

Wurmkiste einrichten

Papier und Pappe in ca. 3-4 cm breite Streifen reißen und am besten vorher befeuchten (ich hatte das auf diesem Bild falsch gemacht und erst in der Kiste dann besprüht, was aber nicht ausreichte).

Wurmkiste – Kompostieren in der Stadtwohnung

Dann die Würmer inklusive des Substrats einsetzen…

Wurmkiste – Kompostieren in der Stadtwohnung

… und noch mal vermischen, wenn es geht schon ein paar Schnippelabfälle an einer Stelle verbuddeln und am besten mit einer angefeuchteten Hanfmatte oder einer angefeuchteten Zeitung abdecken und einige Tage in Ruhe lassen, damit die Würmer sich vom stressigen Umzug erholen können.

Was muss man sonst beachten?

Die Würmer mögen es feucht und dunkel. Hin und wieder sollte also mal etwas mit einer Sprühflasche befeuchtet werden. Ich muss allerdings gestehen, dass mir dafür die Geduld fehlt und ich stattdessen (aber erst, seitdem die Kiste voller ist) vorsichtig gieße. Wenn es zu feucht ist (also anfängt, mehr nass als feucht zu sein) kann man Papier- oder Pappstreifen untermischen. Wenn man eine vertikale Wurmkiste hat, kann man auch einfach unten den Zapfhahn aufdrehen und die überflüssige Flüssigkeit, den Wurmtee, abfließen lassen. Wenn es zu trocken ist einfach befeuchten.

Wenn man dann Schnippelabfälle reinlegt, sollte man sich leicht verbuddeln, damit Fruchtfliegen u.Ä. nicht gut drankommen. Irgendwo hatte ich mal gelesen, dass das Verhältnis von Kuchenabfällen zu Papier und Pappe 6:4 sein sollte. Daran halten wir uns auch so Pi mal Daumen. Am Ende eine feuchte Hanfmatte oder Zeitung drauflegen, damit das alles schön dunkel und feucht bleibt und um durch z.B. Obstschalen eingeschleppte Fruchtfliegen drin zu halten.

Hin und wieder eine Handvoll Steinmehl, Eierschalen oder einen speziellen Wurm-Mineralienmix aus dem Fachhandel (in Plastik verpackt, reicht aber für mindestens 3 Jahre) sorgen dafür, dass die Würmer genug Mineralien bekommen und sich munter weiter vermehren. Ansonsten kann es sein, dass die Population nach 2-3 Jahren plötzlich aus dem Nichts aufgrund von Nährstoffmangel einbricht.

Das sind so die Basics. Wurmkistenpflege ist ein komplexes Thema, und man kann sich mitunter darin verlieren. Wir hatten am Anfang so viel dazu gelesen und versucht zu beachten, und ich kann nur sagen, dass wir inzwischen nicht mehr als das hier gerade aufgezählte machen.

Denkt aber dran: Eine neu angelegte Kiste mit einer kleinen Wurmpopulation ist anfälliger!

Noch mal im Überblick

Wir achten auf das Folgendes
  • Lieber zu feucht als zu trocken.
  • Lieber zu wenig Abfälle als zu viel – das ist vor allem am Anfang wichtig, wenn man noch eine kleine Population hat, denn die ist wie gesagt anfälliger. Richtwert: 500 Würmer wiegen ca. 300 g, denn so ein Wurm wiegt durchschnittlich weniger als 1 g. Da sie am Tag bis zu der Hälfte ihres eigenen Körpergewichts futtern können, sollte man also am Anfang nicht mehr als 150 g pro Tag reinlegen, eher weniger, damit die Kiste nicht durch Fäulnis kippt, denn die Würmer sterben genau deshalb schneller an Über- als an Unterfütterung!
  • Die Sachen sollte locker liegen, damit Sauerstoff dran kommt. Das ist wichtig, weil sonst Fäulnis und unangenehme Gerüche entstehen. Feuchtes Papier und/oder Pappe helfen, das Ganze luftig zu halten.
  • Wenn etwas riechen sollte, die Stelle suchen und dort auflockern und etwas feuchtes Papier oder Pappe untermischen. Wenn da was ganz im Argen ist, den Übeltäter entfernen (ist uns zum Glück noch nicht passiert und sollte auch nicht passieren, wenn ihr die Punkte oben beachtet habt).
  • Immer wenn wir mal dran denken kommt eine Handvoll Mineralmix aus dem Wurmfachhandel (hihi) rein. Das ist bei uns vielleicht so 1x im Monat?
  • Ansonsten einfach in Ruhe lassen. Also nicht andauernd darin rumpuhlen, rumstochern, umgraben, wühlen, um zu gucken, wie weit etwas schon kompostiert ist oder mit einem grellen Licht reinleuchten. All das stresst die Würmer. Einmal die Woche beim Reinlegen der Schnippelabfälle mal genauer anheben und gucken, ob es noch feucht genug ist, reicht vollkommen.

Was ist mit der Wurmkiste, wenn ich mal in Urlaub fahre?

Es ist gar kein Problem, die Würmer bis zu vier Wochen nicht zu füttern. Denn, ich sage es gerne noch einmal, sie sterben eher an Über- als an Unterfütterung. Wir waren im März drei Wochen in England und als wir wiederkamen war unsere Kiste sogar munterer als vorher, denn das Fasten und in Ruhe gelassen werden tat ihnen gut. Natürlich sollte man sie nicht dauerhaft ohne Essen lassen. Aber mal so für einen Urlaub ist es kein Problem.

Sollte man länger verreisen, findet ihr hier Tipps für Vorkehrungen.

Kleines Troubleshooting

Meine Wurmkiste stinkt

Dann ist im wahrsten Sinne des Wortes was faul. Gründe können sein:

  • Schnell gammelnde Sachen wie Bananenschalen, Fleisch- & Milchprodukte oder Essensreste ➡️ in dem Fall die Übeltäter entfernen
  • Es konnte nicht genug Luft dran, weil die Sachen an einer Stelle zu dicht lagen ➡️ lockern und feuchtes Papier und/oder Pappe an der Stelle untermischen
  • Oder es ist einfach überfüttert worden. Die Würmer konnten das alles gar nicht schnell genug verwerten und es fängt an zu faulen ➡️ diese Sachen schnellstmöglichst aus der Wurmkiste entfernen. Wenn das schon zu spät ist, weil die ganze Kiste bereits gekippt ist, die Würmer daraus retten, den restlichen Inhalt entsorgen und eine neue Kiste anlegen. Hilft alles nix.

Die Würmer büchsen aus!

Wenn das passiert, dann ist ganz schön was im Argen! Das machen sie nämlich nur, wenn sie wirklich um ihr Leben fürchten. Denn außerhalb der Kiste ist es ja hell und trocken, und das würden sie nicht auf sich nehmen, wenn es nicht drinnen noch schlimmer ist. Gründe können sein:

  • Es ist zu heiß. Das ist uns letztes Jahr im Sommer bei über 35 Grad passiert. Da sind tatsächlich mal vereinzelte Würmer ausgebüchst. Kein Wunder, bei dauerhaft über 30 Grad sterben sie nämlich. Und massenweise sind sie nicht geflohen, weil die armen Dinger wahrscheinlich alle schon am Dahinkrepeln waren. Da konnten wir leider nicht viel tun, außer sie aufzuheben und wieder in die Kiste zu setzen. Wer einen kühlen Keller hat, kann die Wurmkiste natürlich da reinsetzen.
  • Es ist zu kalt. Steht die Wurmkiste in der Wohnung, kann das eigentlich nicht passieren. Steht sie auf dem Balkon, sollte sie im Winter definitiv mit einer Decke als Isolierung ummantelt werden.
  • Auf Dauer zu wenig Essen für eine zu große gewachsene Population. Das passiert aber ebenfalls erst, wenn die Würmer über einen langen Zeitraum (weit über 4 Wochen) kaum Futter bekommen. Dann wandern sie aus, um sich nach einem besseren Wohnort umzugucken. Bekommen sie kontinuierlich etwas, passt sich die Population eigentlich der Umgebung an.
  • Zu viel gespritztes Obst und Gemüse/ nicht-Bio-Bananenschalen. Pestizide töten das gesamte Ökosystem inklusive der wichtigen Mikroorganismen ab. Wenn die Würmer es noch schaffen, werden sie versuchen, zu fliehen.
  • Zu viele Zitrusfrüchte/ Zwiebeln/ Knoblauch. Ich sagte es bereits, die kleinen Dinger mögen weder ätherischen Öle in der Schale der Zitrusfrüchte, noch beißende Zwiebeln oder Knoblauch. Das vertreibt sie wie Vampire.

Für mehr wie z.B. Schädlingsbefall durch (Killer-?)Ameisen o.Ä. lest euch am besten durch das Forum von Wurmwelten.de.

Infos
Bezugsquellen
  • Wurmwelten, verkauft sowohl Wurmkisten als auch Kompostwürmer
  • Nutzmüll e.V. in Hamburg, verkaufen Wurmkisten, die von Menschen mit Behinderung gebaut wurden; die darf man aber nur als Bedürftiger beziehen

*Afiilliate Link, d.h. wenn ihr über den Link bestellt, bekomme ich eine kleine Provision. Kauft euch das Buch aber lieber im örtlichen Buchhandel oder leiht es euch in eurer Bücherei aus 😊.

35 Kommentare

  1. Toll, vielen Dank für diese Ausführungen – sehr interessant.
    Hier eine Seite eines Schweizer Vereins, der sich mit Inbrunst dem Thema
    HumusToiletten widmet und auch unter anderem Wurmkisten verkauft -https://www.kompotoi.ch.

  2. Sehr interessanter Artikel, vielen Dank! Ich dachte, Kompostieren ginge erst, wenn man nen eigenen Garten hat, aber man lernt ja nie aus. Super Sache, muss ich mal auf unserem Balkon ausprobieren 🙂

    • Hallo, auf meinem Balkon hatte ich immer tolle Tomaten . Meinen organischen Abfall habe ich dann kleingeschnitten und in die Töpfe gesteckt.
      Sogar Kartoffelsprossen haben sich da zu Pflanzen entwickelt und ich hatte dann auch kleine Kartoffelernten.

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