Kastanien statt Waschnuss: Unser regionales Zero-Waste-Waschmittel

Jeden Sonntag gibt es um 14:30 Uhr bei COSMO (ehemals Funkhaus Europa) von mir etwas zu Nachhaltigkeit auf die Ohren! COSMO ist das internationale und interkulturelle Hörfunkprogramm und eine gemeinschaftliche Produktion von den öffentlich-rechtlichen Sendern WDR, Radio Bremen und Rundfunk Berlin-Brandendenburg.

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Wann wart ihr eigentlich das letzte Mal Kastanien sammeln? Ich weiß noch, wie wir früher als Kinder mit Zahnstochern daraus Kastanienmännchen gemacht hatten. Shia Su, unsere COSMO-Nachhaltigkeitsexpertin geht auch Kastanien sammeln, aber nicht etwa, um damit zu basteln. Nein, Shia wäscht ihre Wäsche damit!

Shia, wie bist du überhaupt darauf gekommen?

Ja, verrückt irgendwie, nicht? Mich hatte eine Bekannte drauf gebracht! Ich kannte vorher auch nur die Waschnüsse aus Indien, die man in Bioläden kaufen kann und die sogenannte Saponine enthalten. Sapo ist latein für „Seife“, und Saponine sind seifenähnliche Stoffe.

Waschnüsse sind allerdings leider schlechter als ihr Ruf. Wegen der großen Nachfrage in Industrieländern sind sie in den letzten Jahren viel teurer geworden, sodass sie da keine Alternative mehr zu chemischen Waschmitteln darstellen. Und das in einem Land, das mit Wasserverschmutzung zu kämpfen hat! Noch dazu müssen Waschnüsse weither aus Indien zu uns transportiert werden, auch nicht gerade so super öko. Dann doch lieber unsere regionale überall vorkommende gemeine Ross-Kastanie!

Shia, erklär mal, wie machst du aus gesammelten Kastanien Waschmittel?

Das ist gar nicht so schwer. Ich sammle jetzt im Herbst immer direkt genug Kastanien für ein ganzes Jahr. Zu Hause wasche ich die, rubbeln sie trocken und schreddere sie im kräftigen Mixer. Die kleingeschredderten Raspel verteile ich auf Backbleche und trocknen sie je nach Wetterlage entweder in der letzten Herbstsonne oder neben der Heizung. Im Ofen geht das aber auch.

Man muss also erst mal etwas Vorbereitung betreiben?

Genau, aber auch nur einmal für das Ganze Jahr. Ich brauche dafür inklusive Sammeln ungefähr drei Stunden. Wichtig ist, dass du darauf achtest, dass die Kastanienraspel ganz trocken sind, bevor du sie z.B. in Einmachgläser oder Keksdosen wegpackst.

Und wie benutze ich dann diese Kastanien-Raspel, wenn ich Wäsche waschen will?

Du gibst so ungefähr 70g Kastanienraspel in ein 1-Liter-Glas, das du einfach mit Wasser auffüllst. Bei heißem Wasser aus dem Hahn reichen fünf Minuten, bei kaltem Wasser am besten über Nacht stehen lassen. Das Wasser wird dann ganz milchig. Das gießt du alles durch ein Sieb und diesen Sud gibst du wie Flüssigwaschmittel in die Maschine. Bei dreckigerer Wäsche kann man noch bis zu einen Esslöffel Waschsoda dazu geben. Und natürlich Flecken vorbehandeln.

Ganz ehrlich, wird die Wäsche dabei wirklich sauber? Und nicht ein bisschen braun? Und wie riecht sie danach?

Nein, nicht braun, ich schwör! 😉 Die Wäsche wird sauber, weil Kastanien Saponine enthalten, seifenähnliche Stoffe, ähnlich wie die Waschnüsse, über die wir am Anfang gesprochen haben. Und die Wäsche ist tatsächlich geruchlos! Das kann am Anfang etwas ungewohnt sein, es sei denn, man wäscht sowieso schon – z.B. aus gesundheitlichen Gründen – mit parfümstofffreiem Waschmittel. Wenn du willst, kannst du 5-10 Tropfen ätherisches Öl, z.B. Lavendel oder Zitrone, dazu geben. Umweltfreundlicher ist aber natürlich ohne.

4 Kommentare

  1. Hat jemand Erfahrungen bezüglich eines Weichspülers? Zuerst wollte ich Essig nehmen, habs mir dann aber wegen der Gummischläuche aber anders überlegt

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