Glücklicher durch mehr nachhaltiges Engagement!

Jeden Sonntag gibt es um 14:30 Uhr bei COSMO (ehemals Funkhaus Europa) von mir etwas zu Nachhaltigkeit auf die Ohren! COSMO ist das internationale und interkulturelle Hörfunkprogramm und eine gemeinschaftliche Produktion von den öffentlich-rechtlichen Sendern WDR, Radio Bremen und Rundfunk Berlin-Brandendenburg.

Zu empfangen in NRW auf 103,3 MHz, in Bremen und Teilen Niedersachsens auf 96,7 MHz, in Bremerhaven auf 92,1 MHz und in Berlin und Umgebung auf 96,3 MHz.

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Wenn ich an ein nachhaltiges Leben denke, verbinde ich das ehrlich gesagt auch häufig mit Verzicht – und Verzicht ist ja irgendwie doof. Jetzt sagt aber Shia Su, unsere COSMO-Nachhaltigkeitsexpertin, dass dass das alles Quatsch mit Soße ist. Sie selbst lebt “Zero Waste”, also annähernd müllfrei, vegan und versucht noch dazu Plastik und Palmöl zu minimieren. Das klingt für mich aber nach ganz viel Verzicht.

Shia, für Dich ist das kein Verzicht – warum denn?

Na – das ist alles eine Frage der Perspektive. Für mich ist das nicht nur kein Verzicht, sondern eine enorme Bereicherung. Ich muss beispielsweise nur noch einmal im Jahr meinen Müll runterbringen, ich muss nicht mehr mit Herzrasen meine Sachen an der Discounter-Kasse abräumen, spare Zeit und Geld, weil ich nicht mehr so viel einkaufe. Und ich ernähre mich außerdem noch viel viel gesünder. Außerdem setze ich mich weniger Schadstoffen aus, weil ich von Chemiekeulen auf Hausmittel umgestiegen bin. Dadurch haben sich meine Allergien von “ich könnte beim allergischen Asthma-Anfall sterben” auf “lässt sich gut aushalten” gebessert. All diese Bereicherungen würde ich alles gegen kein Geld der Welt wieder eintauschen wollen.

Für Dich ist nachhaltiges Leben also kein Verzicht, sondern eine Bereicherung.

Definitiv! Ich damit aber auch viel glücklicher als vorher. Und jetzt kann ich das sogar nachweisen, denn es kam gerade der diesjährige Glücksatlas heraus. Das ist eine jährliche repräsentative Studie über die Lebenszufriedenheit in Deutschland im Auftrag der Deutschen Post. Dieses Jahr wurde der Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit gesetzt. Und das Ergebnis:

„Nachhaltiges Engagement macht glücklicher. Menschen, die sich sozial oder ökologisch engagieren, sind nachweislich zufriedener mit ihrem Leben.”

Dieses Jahr ging es rund um die Frage: Nachhaltigkeit und Lebenszufriedenheit. „96% der Deutschen sehen in der Vermeidung von Müll den wichtigsten persönlichen Beitrag im Bereich des umweltbewussten Lebens.“ Das spricht für mich doch sehr stark für einen Zero-Waste-Lebensstil 😉

Aber Shia, du kannst doch bestimmt ganz vieles nicht mehr kaufen, weil es z.B. in Plastik eingepackt ist oder tierische Inhaltsstoffe hat. Ärgerst du dich dann nicht?

Nee, gar nicht. Es ist auch nicht so, dass ich es nicht kaufen “kann”. Ich mein, ich könnte das alles sehr wohl kaufen, wenn ich nur will, verhaftet mich ja keiner, wenn ich das mache. Der Punkt ist: Ich will nicht. Diese Sachen haben für mich einfach null Attraktivität.
Generell wird ja viel suggeriert, dass wir laufend neue materielle Dinge konsumieren müssen, um glücklich zu sein.

Werbung ist ja richtig gut darin, uns zu zeigen, wie viel besser unser Leben wäre, wenn wir nur dies oder jenes Produkt kaufen. Shopping ist sogar von einer ungeliebten Haushaltsaufgabe zu einem Hobby mutiert. Glücklicher scheint uns das aber nicht zu machen. Wir kaufen alle so viel mehr als wir wirklich brauchen – demnach müsste jeder einzelne von uns ja förmlich vor Glück übersprudeln. Tun wir aber nicht.

Das stimmt irgendwie. Aber am Wochenende bummeln zu gehen und sich dann was Nettes zu gönnen, das bereitet ja doch trotzdem schon Freude, oder nicht?

Ja, schon, es macht kurzzeitig Freude, aber halt nicht wirklich glücklich. Es ist eher wie ein Rausch, der auch schnell wieder vorbei ist. Kennen wir ja alle. Das neue teure Smartphone ist nur solange cool, bis das nächste Modell um die Ecke kommt. Da andauernd mitzuhalten, heißt mehr ackern, um sich die sich laufend steigernden Ansprüche auch leisten zu können – und das heißt weniger Zeit für die unbezahlbaren Momente im Leben.

Also, ich persönlich bin ja überzeugt vom Minimalismus, also der Idee, sich aufs Wesentliche zu konzentrieren und sich nicht mit dem anderen Schnick-Schnack rumzuschlagen. Denn was tatsächlich glücklich macht, sind nämlich nach vielen unterschiedlichen Untersuchungen vor allem Gesundheit, Familie und nicht arbeitslos zu sein bzw. genug Geld, um keine existentiellen Sorgen zu haben (siehe z.B. hier, hier oder hier). Wenn man den unnützen Konsum wegstreicht, tut sich plötzlich Zeit und Muße auf, sich um genau diese Dinge zu kümmern, die einen wirklich glücklich machen. Ein Beispiel: Natürlich können Eltern ihren Kids das neuste Smartphone oder so schenken – ich glaube aber, wenn man statt einen Produkt Zeit, Aufmerksamkeit und vielleicht ein Erlebnis schenkt, macht das langfristig glücklicher, als nur ein Technik-Schnick-Schnack. So sehe ich das zumindest.

4 Kommentare

  1. Warum? Sie schreibt ja nur dass Kinder nicht immer das neuste brauchen. Wenn ich das Geld in Ausflüge, Urlaub etc. investiere schaffe ich Erinnerungen. Kinder erwarten dann auch nicht immer alles zu bekommen was gerade angesagt ist und lernen den Wert von Dingen zu schätzen.

    • Hi Rebecca,
      mein Beispiel hätte ich noch etwas ausführen müssen. Aber genau wie du das siehst hatte ich es gemeint 🙂
      Danke!
      Liebe Grüße,
      Shia

  2. Toll! Ich finds immer wieder klasse, wie gut gelaunt und überzeugend Shia das immer wieder erklärt 🙂
    Allein, das letzte Beispiel mit dem Kind und dem Handy überzeugt mich ganz und garnicht…

    • Hi Beate,
      du hast recht, das ist im Beispiel wahrscheinlich etwas verkürzt dargestellt. Das Beispiel sollte verdeutlichen, dass ich finde, dass generell und gerade mit Kindern gemeinsam Zeit verbringen in meinen Augen einfach wertvoller ist als materielle Dinge, die unverhältnismäßig viele Ressourcen verschlingen und in einem Jahr schon wieder veraltet sind, nur, weil sie gerade angesagt sind. Gar kein Handy ist bei Kindern heutzutage wahrscheinlich sozial auch echt schwierig und sie sollen ja ruhig damit umgehen lerne, aber meine Frage ist: Muss es das neueste vom neusten sein?
      Liebe Grüße,
      Shia

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