Gehen eine Geburt im Krankenhaus und Zero Waste zusammen?

©Anja Bergmann

Wie ihr wisst kommen ja einige wirklich wichtige Themen bei mir leider etwas zu kurz, weil ich nicht aus eigener Erfahrung sprechen kann. Ich werde z.B. ganz viel nach Zero Waste mit Kindern und  Zero-Waste-Haustierhaltung gefragt. Ich halte immer meine Ohren offen und lasse mir das immer sehr gerne erzählen, fühle mich aber nie kompetent genug, um selber etwas dazu zu schreiben. Deswegen freue ich mir immer ’nen Ast ab, wenn liebe Menschen sich bereit erklären, aus ihrem Erfahrungsschatz zu berichten! ❤️ (Wenn jemand hier mitliest, der ihre*seine Erfahrungen mit einer Zero Waste/müllarme/plastikfreie Haustierhaltung teilen mag, der soll sich gerne bei mir melden 😉)

Darf ich nun vorstellen *Trommelwirbel*: Anja, müllarme Mama von zwei Wirbelwinden (2,5 Jahre und 5 Monate)! In neun unglaublich informativen Artikeln teilt sie heute und in den kommenden Wochen jeden Freitag ihre Erfahrungen mit euch. Vergesst nicht, meinen Blog zu abonnieren (unten links), um keinen dieser Artikel zu verpassen!

Während des Krankenhausaufenthalts, also vor allem während der Zeit auf der Wochenbettstation, Zero Waste umzusetzen, fand und finde ich extrem schwierig. Die Krankenhäuser und Kliniken haben etliche gesetzliche Auflagen, vor allem in Bezug auf Hygiene, die sie befolgen müssen. Dadurch wird natürlich das Infektionsrisiko verringert, was unserer Gesundheit zu Gute kommt. Bis zu meiner ersten Geburt lag ich noch nicht stationär in einem Krankenhaus (Gott sei Dank!), deshalb war mir deren Umgang mit Müll gar nicht bewusst.

Hier ein paar Beispiele:

  • Medikamente werden oft vordosiert in Einmalbechern gereicht.
  • Sollte das Neugeborene ein Fläschchen brauchen, werden die Fläschchen (bei mir waren sie aus Glas mit einem Silikonsauger) nach einmal Füttern weggeschmissen. Reinigung der Flaschen kostet anscheinend zu viel Zeit und Geld.
  • Die Kinder werden automatisch mit Wegwerfwindeln gewickelt.
  • Für euren Wochenfluss oder andere Wunden werden Einmalbinden und Einlagen verwendet. Zudem gibt es natürlich überall Papierhandtücher und sonstige Wegwerfartikel für die Hygiene.

Da hier zum Teil berechtigte und wichtige Hygienevorschriften dem entgegenstehen, kann ich für den Klinikaufenthalt leider nur wenige Zero Waste Tipps geben. Ein paar Sachen gibt es dennoch, die man versuchen kann.

Frag nach Mehrfachverwendung (Pillenbecher, Fläschchen)

Sofern Frau nach der Geburt aufstehen kann, ist es ein Versuch Wert, mit Fläschchen und Pillenbecher zu den Schwestern oder Pflegern zu gehen, um sich alles direkt hinein geben zu lassen. Wenn die Schwestern es ins Zimmer ans Bett bringen, wird es schwieriger. Die Fläschchen (sofern das Neugeborene ein Fläschchen braucht), die sonst direkt weggeschmissen werden, kann man bestimmt auch einfach behalten und später mit nach Hause nehmen.

Frag nach Mullwindeln/“Spucktüchern“

Die sind eigentlich auf einer Wochenbettstation vorhanden. Wenn man dazu eigene Überhosen von zu Hause mitbringt, kann man von Anfang an in Stoff wickeln. Ihr könnt natürlich auch eure eigenen Mullwindeln von zu Hause mitbringen. Wenn ihr windelfrei praktizieren möchtet (ein paar Infos hierzu gibt es später beim Artikel „Windeln und Wickeln“), könnt ihr euer Baby von Anfang an abhalten, sofern ihr aufstehen könnt (was vor allem nach einem Kaiserschnitt anfangs schwierig ist). Mehr Infos hierzu gibt es hier.

Statt klassischer Geburt im Klinikum nach Alternativen schauen

Alternativen können sein:

  • Hausgeburt; leider für viele Hebammen finanziell und versicherungstechnisch nicht mehr umsetzbar,
  • Geburtshaus,
  • Ambulante Geburt; vier Stunden nach der Geburt könnt ihr wieder nach Hause, sofern alles mit euch und dem Baby in Ordnung ist.

So seid ihr schnell wieder zu Hause und könnt dort Zero Waste weiterleben.

Was sind eure Erfahrungen bei der Geburt? Wo seht ihr Möglichkeiten, Müll zu reduzieren? Vielleicht war das bei euch ja sogar ganz anders?

6 Kommentare

  1. Hausgeburt immer wieder!!! Meine Hebammen sind mit einer kleinen Mülltüte raus. Haben auch einfach Handtücher verwendet. Und wir kaufen alles möglichst Second Hand, Stoffwindeln, tragen, stillen, BLW .. man tut was man kann und hofft für die kommende Generation ist alles schön schick

  2. Ich freue mich dass über das Thema Krankenhaus in Zusammenhang mit Müll gesprochen wird. Ich kenne das auch (bin ich auch Krankenschwester) und wie schon gesagt würde, ist einfach furchbar… und leider die Tendenz ist das alles Einmalartikel wird. Aber ich könnte euch ein paar Tipps geben; man kann die orale Medikamente aus Eigener Bestand mitnehmen und selber einnehmen. Man kann alle die Hygiene-Artikel auch mitbringen (viele Menschen vergessen die Zahnbürste) Taschentücher und Stoffbinden. In dem Bereich Essen, könnte man fragen, weil viele Lebesmittel kommen auch in Krankenhaus in Plastik verpackt, aber das ist von KH zu KH unterschiedlich.
    Aber für das Zero Waste Thema ist die beste Option ein Hausgeburt oder in Geburtshaus, aber das ist leider nicht für alle Frauen möglich.

  3. Pingback: 4 Zero-Waste-Tipps für mehr Nachhaltigkeit während der Schwangerschaft – Wasteland Rebel

  4. Ich habe meine Kinder im Geburtshaus bzw. Zuhause geboren, was das Müllvermeiden etwas erleichtert hat. Ich habe von meiner Hebamme eine Liste an Sachen bekommen, die ich für die Geburt anschaffen sollte. Dabei waren natürlich auch viele Einwegartikel bzw. Sachen mit Plastik. Ich habe sie dann einfach gefragt ob ich die Sachen durch plastikfreie/müllarme Alternativen ersetzen kann, und meistens war das kein Problem.

    Auf der Liste standen z.B.
    – Wegwerfunterlagen zum Drunterlegen während und nach der Geburt (um das Bett zu schützen). Da haben wir einfach einen wasserfesten Matratzenschoner gekauft und diesen, sowie alte Handtücher benutzt. Den Matratzenschoner verwendeten wir dann später weiter, weil das Baby bei uns im Bett schlief.
    – Taschentücher: wir haben Stofftaschentücher benutzt bzw. ein kaputtes Laken zu Tüchern geschnitten. Den Stoff musste nur sterilisiert werden (heiß gewaschen und gebügelt werden).
    – Wegwerfhösschen: ich habe meine ältesten Unterhosen genommen, die ich eh kaum mehr anzog und wo Blutflecken dann nicht so schlimm waren.
    – Windeln für die Nachblutung: wie auch von Lisa oben erwähnt, habe ich Stoffbinden benutzt bzw. in den ersten Tagen Mullwindeln. Mens-Tasse sollte man nicht nehmen, da besteht Entzündungsgefahr!

  5. Leider kenn ich das mit dem Müll m Krankenhaus zu gut. (Bin Krankenschwester und war auch eine zeitlang im OP)
    Was da jeden Tag anfällt ist haarsträubend. Klar gibt es strenge Hygienevorschriften, aber es könnte auch manches anders gelöst werden. (Und wurde es bis vor nicht allzulanger Zeit auch moch sehr gut) Z.b. Haben wir bis vor einiger Zeit die Medikamentenbecher mehrfach verwendet – jetzt leider Einmalartikel. Genauso die chirurgischen Instrumente die wir auf Station verwendet haben – kann man eigentlich auch prima aufbereiten – jetzt Einmalartikel.

    Bei meiner ersten Geburt musste ich leider auch ins Krankenhaus wechseln, bei der zweiten konnten wir uns den Traum von einer Hausgeburt verwirklichen. Aber leider ist auch da ziemlich viel Müll angefallen (das war bevor ich anfing mich mit Zero Waste auseinander zu setzen). Sogar die Schere für die Nabelschnur war ein „Wegwerfartikel“. Unsere Hebamme hat gesagt die darf sie nicht weiter verwenden. Wir haben sie dann behalten. (Schere aus Metall)

    Was mich interessieren würde wie man die Sache mit dem Wochenfluss Zero Waste hinbekommen könnte. Ich hab in der Zeit direkt nach der Geburt doch ziemlich viele Binden verwendet.

    • Für den Wochenfluss einfach die Stoffbinden benutzen, die man auch währen der Regel nimmt! 🙂 Oder auch die großen Windeleinlagen, für die das Neugeborene noch zu klein ist. Ich habe während der Wehen kleine Mulltücher (40×40) gedrittelt als Einlage verwendet.
      Schwämmchen oder Mens-Tasse würde ich dafür nicht nehmen…
      Viele Grüße!

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