Frohe (müllarme) Feiertage – wie wir eigentlich Weihnachten feiern

Auf diesem Wege wollte ich euch nur schnell noch frohe, müllarme Feiertage wünschen 😁!

In den letzten Wochen hab ich viel darüber geredet, wie man Weihnachten nachhaltiger gestalten kann. Falls ihr das verpasst habt – oder euch einfach der Müllberg an Geschenkverpackungen gestern nach der Bescherung doch leicht traurig gemacht hat und ihr euch überlegt, wie man das im nächsten Jahr besser machen könnte – könnt ihr meine Tipps hier nachlesen bzw. sogar nachhören:

Nach all meinem Gelabere darüber fragen sich vielleicht einige, wie Hanno und ich Weihnachten eigentlich so verbringen. Halten wir uns denn wirklich an unsere eigenen Tipps? Was haben wir dieses Jahr verschenkt? Was haben wir geschenkt bekommen? Wie viel haben wir gefuttert? Immerhin ist unser Feiertags-Motto, das übrigens für alle Feiertage bei uns gilt: Kalorien statt Konsumwahn 😜!

Wie, wo und mit wem feiern wir Weihnachten?

Ich dachte, ich erzähle euch mal das schockierenste zuerst 😉. Wir feiern Weihnachten nämlich gar nicht. Weihnachten ist hierzulande so selbstverständlich, dass eigentlich fast immer vergessen wird, dass Weihnachten ein christlicher Feiertag ist – und nicht alle Menschen, die hier leben, sind Christen.

Shias religiöser Hintergrund

Meine Eltern sind beide unreligiös. Meine Mutter ist buddhistisch aufgewachsen, hat an einer katholischen Universität studiert und wäre auch fast konvertiert, aber irgendwie ist sie dann doch Agnostikerin geblieben. Ich musste früher aber trotzdem am Religionsunterricht teilnehmen, weil meine Mutter darauf bestand. Wir lebten schließlich in einer überwiegend christlichen Gesellschaft, und da sollte man die Religion und Werte grundlegend verstehen, erklärte sie mir. Lieber wäre es mir gewesen, eine Freistunde zu haben, aber gut 😝. Meine Eltern haben immer betont, dass man ab 14 „religionsmündig“ sei und sie mir freistellten, mich danach so zu entscheiden, wie ich es für richtig halte. Sie wollten aber auch, dass ich mich mit mehr als nur einer Religion auseinandersetze. Wie man ahnt bin ich unreligiös geblieben. Hauptsache, man arbeitet daran, ein guter Mensch zu werden, ist meine persönliche Ansicht.

Hannos religiöser Hintergrund

Hanno, mein Mann, wuchs in einer katholischen Familie auf und war auf einer katholischen Schule. Er hat das recht normale Programm durchgemacht. Als älterer Jugendlicher hat er sich bei einem der christlichen Träger vor Ort für Jugendarbeit engagiert. Für ihn war das Jugendarbeit, wo der Träger halt zufällig christlich war. Er merkte aber schon, dass er nicht richtig dazu gehörte, weil er nicht wie die anderen regelmäßig zur Kirche ging, was ihn auch etwas störte. Lieber wäre es ihm damals schon gewesen, wenn es Jugendarbeit ohne den religiösen Anteil gewesen wäre. Hanno hatte also in seinem Leben durchaus viel Kontakt mit der Kirche, ist aber gefühlt einfach nie reingewachsen. Im Studium trat er dann aus der Kirche aus, wobei er das nur als Formalität wahrnahm. Er war für ihn nie so, dass er mit dem Glauben gebrochen hätte. Er hatte es probiert, kennengelernt, aber es hat halt nie so richtig gepasst.

Als ich klein war, haben meine Eltern – wie viele nicht christliche Familien in Deutschland – trotzdem Weihnachten gefeiert. Wer will schon, dass sein Kind das einzige Kind ist, dass keine Geschenke bekam und nach den Ferien nichts zu den Feierlichkeiten erzählen kann? Für viele solcher Familien wird Weihnachten einfach zu einem Familienfest. Da haben endlich mal alle frei, und den Luxus hat man einfach nicht, wenn es um die einem selbst vielleicht wichtigen Feiertage geht (bei meiner Familie z.B. Chinesisches Neujahr), und man muss als Minderheit nun einmal mitnehmen, was man kann 😝.

Deswegen wünsche ich übrigens auch fast immer „Frohe Feiertage“ statt „Frohe Weihnachten“, das ist einfach inklusiver ❤️.

OK, aber Hannos Familie feiert ja sicherlich Weihnachten. Feiert ihr dann dort mit?

Das haben wir häufig gemacht, aber dieses Jahr nicht. Weihnachten ist ein Familienfest, und wir sind natürlich dafür, auch Zeit mit der Familie zu verbringen, selbst, wenn wir selbst Weihnachten jetzt nicht als christliches Fest feiern. Allerdings haben wir in den letzten Jahren festgestellt, dass das langsam einfach nicht mehr ganz zusammenpasst und beide Seiten nichts davon haben. Die Feiertage sind gespickt von Traditionen und Ritualen, mit denen wir immer weniger etwas anfangen können. Unsere Anwesenheit allein reicht häufig aus, dass alle anderen ein schlechtes Gewissen wegen ihres Konsumverhaltens bekommen, obwohl wir immer versuchen, uns bei der Bescherung so unsichtbar wie möglich zu machen. Das ist einfach die Zwickmühle: Mitmachen der Stimmung wegen oder bei den eigenen Überzeugungen bleiben, aber anderen ungewollt die Laune vermiesen…

Was wir seit letztem Jahr machen und was uns wirklich sehr gut gefällt, ist, im Grunde das gemeinsame Weihnachten vorzuverlegen und so von den Ritualen zu entkoppeln. Bei dem vorweihnachtlichen Treffen geht wirklich rein darum, Zeit zusammen zu verbringen – ganz ohne Geschenkverpflichtungen, ohne den Druck, irgendetwas in irgendeiner Art und Weise perfekt herrichten zu müssen, dass zur richtigen Zeit ein Festmahl auf dem Tisch steht, die Geschenke rechtzeitig unterm Baum platziert werden und so weiter und so fort. An dem Tag ist das Beisammensein im Grunde der einzige Programmpunkt 💚. Dieses Jahr gab es Waffeln und viel Herumtoben und Fensterbekritzeln bei Hannos Schwester und danach haben wir mal das Kochen den Profis überlassen. Wir gingen indisch essen, sodass auch keiner sich den Kopf zerbrechen musste, wie man für uns etwas Veganes zubereitet 😉.

Und was habt ihr dieses Jahr so verschenkt?

Ganz ehrlich? Gar nichts. Hannos Familie hat mehr als genug und sie können sich sofort alles kaufen, was sie wollen. Die Kinder haben so viel Spielzeug, dass sie wahrscheinlich gar nicht mit allem spielen können. Wenn wir an Weihnachten da waren, hatten wir immer im Namen der Familie gespendet. So weit wir das beurteilen können mögen uns die Kinder aber trotzdem noch 😉.

Meine Familie feiert Weihnachten sowieso nicht mehr, seitdem ich ausgezogen bin, und will auch generell keine Geschenke, das ist also immer super easy 😆. Da geht es bei allen Festen und Treffen durch die Bank weg vorrangig ums Beisammensein bei gutem Essen und schonungsloser Ehrlichkeit 😅.

Das heißt allerdings nicht, dass wir nie etwas schenken. Wir sind die guck-mal-das-haben-wir-gesehen-und-haben-an-dich-gedacht-Schenker. Das sind dann Sachen, worüber man mal geredet hat, oder wovon man weiß, dass die beschenkte Person das auf jeden Fall gebrauchen kann oder es mal ausprobieren wollte (z.B. festes Shampoo, eine hochwertige Trinkflasche, guter Bio-Fairtrade-Kaffee vom Röster). Das schenken wir einfach dann, wenn’s uns überkommt, ganz unabhängig von Geburtstagen oder Weihnachten.

Nehmt ihr denn Geschenke an?

Materielle Geschenke in der Regel nicht, nein. Leute, die uns kennen, wissen das aber und versuchen es inzwischen auch gar nicht mehr. Uns darf man aber zu jeder Jahreszeit gerne mit Essbarem versorgen 😉. Wir bekommen also ganz ganz häufig selbstgemachte Marmelade, Pesto, Säfte, Liköre, Gemüsebrühe, Plätzchen, Pralinen, Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten usw. zugesteckt ❤️. Darüber freuen wir uns immer gewaltig, weil wir uns so was zwar immer vornehmen, aber äußerst schlecht darin sind, dann tatsächlich mal unser Sitzfleisch hochzubequemen. Wir lassen uns übrigens auch gerne bekochen oder ausführen 😜.

Was macht ihr, wenn jemand aber auf ein Geschenk besteht?

Das passiert inzwischen glücklicherweise kaum noch, weil wir das mit den Geschenken ja schon deutlich länger durchziehen als Zero Waste und nach zehn Jahren ist die Message dann doch fast überall angekommen 😉.

In der Tat werden uns aber manchmal ungefragt Sachen per Post zugeschickt, seien es Kataloge, Produkte oder Geschenke von Unbekannten. Diese Sachen werden so gut es geht weiterverschenkt an Menschen, die dafür Verwendung haben (was bei Katalogen selten gelingt). Denn ihr kennt meine Ansicht: Es gibt auf der Welt schon mehr als genug Zeugs, wir müssen es nur umverteilen, damit die Sachen dort landen, wo sie gebraucht werden. Das schont die ohnehin schon knappen Ressourcen, weil nicht stattdessen neue Ware produziert werden muss.

Ich möchte an dieser Stelle noch mal darauf hinweisen, mir nicht einfach ungefragt Dinge oder Kataloge zuzuschicken, egal ob als Firma oder Privatperson! Wir haben in unserem Haushalt mehr als wir brauchen und wenn überhaupt wollen wir weiter Sachen aussortieren statt anhäufen. Außerdem ist es einfach zusätzliche Arbeit für uns, alles verantwortungsvoll wieder unter die Leute zu bringen.

Na, wenn ihr Weihnachten nicht feiert, dann gab es aber auch kein Festmahl, oder 😉?

Öh, wir lassen nie einen Anlass aus, um festlich zu futtern 😂! Irgendwann haben wir doch auch mal unseren X-jähriges plus X-1/7-monatiges (oder so ähnlich) gefeiert, einfach, weil wir Bock hatten, fett, fein und feierlich essen zu gehen.

Gestern haben wir uns einfach selbst ein Festmahl gekocht! Es gab aus dem Bioladen Frühlingsrolle, Bratlinge, Feuertofu, Algensalat und Sushi, alles hausgemacht von der Theke. Aber wir haben uns auch selbst an den Herd gestellt und Kürbis mit Rosinen und Ingwer, Wirsing mit Kichererbsen in einer Erdnuss-Soße, Sellerie-Schnitzel, Miso-Suppe und Bananen-Kokos-Pudding zubereitet. Und natürlich haben wir bei den Süßigkeiten, die wir aus dem Unverpackt-Laden haben (siehe Titelbild), großzügig zugegriffen 💚.

Also, auch wenn wir Weihnachten nicht so richtig feiern, bleiben wir unserem Feiertags-Motto „Kalorien statt Konsumwahn“ ziemlich treu, würde ich mal so behaupten 😜.

5 Kommentare

  1. Ich finde ihr habt wirklich eine gesunde Einstellung zu den Feiertagen! In der Familie von meinem Vater ist der Konsumwahn vor einigen Jahren doch extrem gewesen, was wohl daran liegt, dass sowohl mein Vater als auch meine Stiefmutter extrem kompensieren und meinen beiden Geschwistern alles bieten wollen was sie selbst nie hatten. Dieses Jahr scheint es sich ein bischen gebessert zu haben. Die beiden Kinder bekommen von mir immer nur was Süßes, da sie materiell wirklich nichts weiter brauchen und ich nicht konsumieren möchte nur „weil man es eben macht“. Den Erwachsenen schenke ich nichts, die sagen aber auch immer dazu, dass man ihnen nichts schenken braucht.
    An Geschenken haben wir dieses Jahr nicht die üblichen Verlegenheitsgeschenke die kein Mensch braucht bekommen, sondern Bio-Seife am Stück und das Buch von Smarticular, das ich meiner Stiefmutter eigentlich für sie selbst empfohlen hatte. Da hat sich also wirklich was getan und ich habe mich sehr gefreut!

    Für mich ist das Weihnachtsfest noch nie ein rein christliches Fest gewesen. Ich bin von meiner Mutter atheistisch erzogen worden, mein Mann ist ebenfalls Atheist, und trotzdem feiern wir Weihnachten. Soweit ich weiß wurde Weihnachten von der Kirche irgendwann erfunden, um den heidnischen Brauch des Wintersonnenfests am 22.12. auszutreiben. Deshalb sehe ich die historischen Wurzeln von Weihnachten eher in heidnischen Bräuchen als in der christlichen Religion. Jesus soll schließlich „mit den Lämmern“ geboren worden sein, was im Frühjahr und nicht im Dezember der Fall gewesen wäre. Auch der Brauch einen Baum zu schmücken hat soweit ich weiß nichts mit der christlichen Religion zu tun. Eine befreundete muslimische Familie aus dem Kosovo stellt zu Silvester einen geschmückten Baum auf, bei denen ist das ein Neujahrsbrauch. Und das moderne Konsumwahnfest ist sowieso weit von christlichen Werten wie Bescheidenheit entfernt.

  2. Wow! Inspirierender Eintrag. Ich denke es gibt so viele Menschen, die diese Gedanken teilen, aber in die Tat umsetzen möchte es dann doch niemand, denn: was denkt die Familie, die Freunde? Und dann schenken sie einem doch was und ich habe dann nichts? wie peinlich.
    Nein, es ist toll und ein Statement. Es wurde ohnehin schon lange vergessen was das Wesentliche ist an Weihnachten. Wir fangen an uns zu befreien. Im kleinen, also erstmal gibt es kein Geschenkpapier mehr, der wir basteln selber etwas. Genauso machen wir es auc mit unserer Haus-Deko. Alles selbstgemacht, vom gesammelten Holz am Strand.

    Ich finde diese EInstellung inspirierend und bleibe dabei. Back to simple.

    • Hi Jasmin,
      ja, das kam aber natürlich auch bei uns nicht von heute auf morgen ;). Hat ja immerhin 10 Jahre gedauert und ging auch in kleinen Schritten. So wie bei euch :). Und wir mussten auch lernen, dass es schlechter akzeptiert wird, wenn man wirklich sagt, man wünscht sich gar nichts bzw. dass man sich als Geschenk wünscht, dass man unsere Lebenseinstellung respektiert XD. Es ist einfacher, sich stattdessen Erlebnisse, einen Gefallen (z.B. für uns etwas reparieren) oder eben selbstgemachte Sachen zu wünschen. Und wir waren auch insgesamt ziemlich standfest, was allen gezeigt hat, dass es uns wirklich auch wichtig ist :).
      Ich wünsche dir einen guten Rutsch und noch viel Freude auf eurem Müllvermeidungsweg <3!
      Liebe Grüße,
      Shia

  3. Also ich habe dieses Jahr auch eher nachhaltiger als sonst Weihnachten gefeiert – nur Altpapier und bereits an anderen Geschenken gewesenes Geschenkpapier zum Einwickeln benutzt, viel selbst gemacht, keine Deko und Weihnachsbäume gehabt, kein großes Festessen. Für mich sind das alles schon mal gute Anfänge, denn über ökologische Aspekte an Weihnachten mache ich mir eigentlich erst seit diesem Jahr wirklich Gedanken und im vergangenen Jahr hatte ich höchstens mal Mitleid mit dem ganzen Papierberg…

    Doof finde ich ja immer, wenn man Dinge geschenkt bekommt, die gar nicht nachhaltig sind (Das Geschenkset aus Mini-Handcreme und Lipbalm von BodyShop lässt grüßen, obwohl ich beide Produkte NIE benutzen würde…). Aber manche meiner Verwandten kapieren einfach nicht, dass ich ganz andere Ansprüche an Geschenke stelle als meine Schwester… 🙁 Da versuche ich dann auch einfach weiterzuverschenken.

    Weihnachten feiere ich zwar, aber eben eher unaufwändig und vor allem ohne Kirche, da ich mich dieser nicht zugehörig fühle, auch wenn ich 8 Jahre im Religionsunterricht verbrachte, ehe ich Ethik wählte. Bei uns geht es einfach um die Familien-Zeit und außerdem machen wir uns super gern mit kleinen Geschenken gegenseitig eine Freude. Und der Rest meiner Familie, also alle, die ich nicht sehe, erwartet quasi, dass ich eine Karte und ein Geschenk schicke, weil sich das für die eben so gehört.

    Eure Lösung, ein vorverlegtes Familientreffen zu machen, gefällt mir aber richtig gut, denn ich kann mir gut vorstellen, dass es problematisch ist, wenn Müllvermeidene eine normale Bescherung aushalten müssen. Und essen zu gehen ist auch eine super Alternative dazu, dass der Gastgeber allein den Aufwand hat!

    Eure Schenk-Taktik ist aber irgendwie echt schön – ich versuche das so ähnlich zu machen, indem ich das Jahr über zuhöre, die Dinge dann direkt kaufe, wenn ich an jemanden denke, aber eben bis Weihnachten / zum Geburtstag aufhebe 😉

    Liebe Grüße

  4. sabine leick-specht

    Hallo Shia lese siet einiger Zeit deinen Blog und bin total begeistertüber eure Lebensweise. Zuvor habe ich nichts gewust von zero waste. Hatte schon viele Weckgläser für Voräte und habe jetzt aufgestockt. Seit April gibt es in Trier auch ein Unverpacktladen. Wenn ich dort hinkomme( wir wohnen 45 km entfernt, also nicht jede Woche kaufe ich dort gerne ein. Zu Weihnachten habe ich die Gabellöffel von Beechange in einer selbstgenähten Hülle für unterweg verscenkt. Viele Küchenhilfen habe ich auch dort gekauft und die aus Kunststoff weiterverschenkt.Es ist aber nicht mein Anspruch total Pastikfrei zu leben. .Ich freue mich über jeden neuen Beitrag von dir. Ich arbeite als Ergotherapeutin in einem Altenheim und wir haben im Herbst aus Kastanien Waschmittel hergestellt. Das hat uns sehr viel Spass gemacht.
    Euch einen schönen Jahreswechsel
    Sabine aus dem schönen Saarland

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