Fliegen und Zero Waste…?

Jeden Sonntag gibt es eigentlich um 14:30 Uhr bei COSMO von mir etwas zu Nachhaltigkeit auf die Ohren! Besser bekannt ist der Radiosender wahrscheinlich momentan noch unter Funkhaus Europa, dem internationalen und interkulturellen Hörfunkprogramm von den öffentlich-rechtlichen Sendern WDR, Radio Bremen und Rundfunk Berlin-Brandendenburg. Seit dem 1. Januar 2017 nun umbenannt in COSMO.

Zu empfangen in NRW auf 103,3 MHz, in Bremen und Teilen Niedersachsens auf 96,7 MHz, in Bremerhaven auf 92,1 MHz und in Berlin und Umgebung auf 96,3 MHz.

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Packt euch auch manchmal das Fernweh? Die Lust nach Abenteuer oder einfach mal eine Pause vom stressigen Alltag? Mal für ein Wochenende an die Nordsee ist ja ganz nett, aber manchmal zieht es einen ja doch weiter weg. Und da kommt man nur mit dem Flugzeug hin. Unsere COSMO-Nachhaltigkeitsexpertin Shia Su lebt voll öko und so: Sie macht fast keinen Müll – Zero Waste nennt sich das – lebt erstaunlich plastikarm und hat natürlich auch kein Auto. Aber Moment, letzte Woche erst ist sie trotzdem geflogen! Und zwar ganz weit weg, nach Kanada!

Shia, Mensch, dabei dachte ich, gerade du würdest eher schwimmen, rudern, segeln, auf einem Piratenschiff per Anhalter fahren oder so was gar nicht machen. Ist Fliegen nicht superschlecht für die Umwelt?

Ja, fliegen ist echt eine absolute Umweltsauerei… Für so einen Kurzurlaub hätte ich das sicherlich nicht in Kauf genommen. Aber ich bleibe ja zumindest gleich ein ganzes Jahr.
Ich hatte natürlich auch nach anderen Optionen gesucht. Ich bin dabei darauf gestoßen, dass man als Passagier auf Containerschiffen mitfahren kann, nennt sich Frachtschiffreisen. Dafür hätte ich aber erst mal mit dem Zug nach Barcelona reisen müssen, von da aus wären es dann knapp 40 Tage bis Vancouver gewesen. Gut, dauert vielleicht ein kleines bisschen länger als so ein Flug, aber dafür hätte die gesamte Schifffahrt nur einen CO2-Abdruck vergleichbar mit 650 km Autofahrt im Kleinwagen gehabt. Aber so 7.000€ für Hin- und Rückfahrt war leider auch nicht ganz in meinem Budget drin, denn leider darf man sich die Überfahrt nicht erarbeiten ;).

Shia, manchmal muss man ja wirklich auch fliegen. Viele von uns haben ja z.B. Familie im Ausland oder müssen auch mal beruflich ans andere Ende der Welt düsen. Was kann man denn machen, um das zumindest ein bisschen weniger umweltschädlich zu gestalten?

Oh, ganz wichtig finde ich, dass man dann seine Emissionen ausgleicht. Das kann man z.B. auf arktik.de. Das Geld wird dann in Maßnahmen wie z.B. Aufforstung, Schutz der Moore, erneuerbare Energien oder Energie-Effizienz-Projekte gesteckt, was man sich auch aussuchen kann. Aber klar, das Beste ist es immer, gar nicht erst den Schaden anzurichten, denn diese sind eigentlich ziemlich irreversibel und Kompensationen gleichen das nie wirklich aus.

Von links nach rechtes: Die eigene Trinkflasche darf man leer durch die Kontrolle, dann kann man sie mit Leitungswasser auffüllen, und weniger Gepäck gleich weniger Emissionen!

Also ist es kein Freibrief, ab jetzt so viel zu fliegen, wie man möchte, solange man für die Emissions-Kompensationen bezahlt?

Nein, man muss sich schon im Klaren darüber sein, dass man der Umwelt natürlich trotzdem schadet. Und ich persönlich denke, dass man immer gucken kann, wie man trotzdem zumindest alles etwas umweltunschädlicher gestalten kann. Ich nehme z.B. so wenig Gepäck wie möglich mit, denn jedes Kilo mehr ist ein Mehr an Emissionen. Ich hatte mir nur Handgepäckmenge für das ganze Jahr eingesteckt und gucke gerade, wer hier so was wie Handtücher oder Küchenutensilien ausmistet und loswerden möchte, Social Media sei Dank. Das schont Ressourcen.

Sag mal, was ist denn eigentlich mit Müll? Da sammelt sich immer so viel am sowieso schon zu engen Platz an… Für dich als Zero-Waster bestimmt ein Albtraum! Wie hast du das denn gemacht? Bist du um den Müll drumrum gekommen?

Jain. Leider nicht um alles. Die in Plastik eingeschweißten Sachen im Flieger wie Kissen und Kopfhörer hatte ich direkt bei der ersten Gelegenheit zurückgegeben, denn dann können sie noch wiederverwendet werden. Snacks hatte ich uns einfach selbst mit in den Flieger genommen, denn das darf man. Man sollte sie nur aufessen, bevor man ins Zielland offiziell einreist, wegen der Seuchenkontrolle. Ich hatte meine Trinkflasche leer durch die Kontrolle mitgenommen und vor dem Boarding mit Leitungswasser aufgefüllt. Außerdem hatte ich mir so ’n Campingbecher eingesteckt und mir den Kaffee da reingießen lassen, auch gar kein Problem. Aaaber…

Jetzt raus damit, wo hat’s gehapert?

Aber das Essen konnte ich nicht im Vorfeld abbestellen. Die Fluggesellschaften haben, wie mir erklärt wurde, feste Verträge mit Caterern, wo immer mindestens eine Portion pro Sitzplatz im Flieger abgenommen wird. Es gibt da ja auch immer zwei Optionen zur Auswahl, was dann basierend auf statistischen Daten eingeladen wird. Wenn man das Essen im Flieger ablehnt, weil man sich selbst etwas eingepackt hat, dann landet es einfach im Müll. Die beste Option ist, sich mindestens 1 Tag vorher die vegane Sondermahlzeit zu bestellen. Veganes Essen hat nämlich generell einen deutlich geringeren CO2-Abdruck – und bei Sondermahlzeiten wird man aus dieser statistischen Berechnung rausgenommen, d.h. es wird auch genau nur 1 Portion für einen eingeladen, statt den statistischen – sagen wir mal – 1,3 oder so.

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