Fast Fashion vs. Fair Fashion

Jeden Sonntag gibt es eigentlich um 14:30 Uhr bei COSMO von mir etwas zu Nachhaltigkeit auf die Ohren! Besser bekannt ist der Radiosender wahrscheinlich momentan noch unter Funkhaus Europa, dem internationalen und interkulturellen Hörfunkprogramm von den öffentlich-rechtlichen Sendern WDR, Radio Bremen und Rundfunk Berlin-Brandendenburg. Seit dem 1. Januar 2017 heißt der Sender aber COSMO.

Zu empfangen in NRW auf 103,3 MHz, in Bremen und Teilen Niedersachsens auf 96,7 MHz, in Bremerhaven auf 92,1 MHz und in Berlin und Umgebung auf 96,3 MHz.

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Die Fashion-Industrie wird nicht grundlos als eine der weltweit größten und gleichzeitig “dreckigsten” Industrien bezeichnet. Die Arbeitsbedingungen sind immer noch vielfach skandalös und die Umweltverschmutzung geht echt auf keine Kuhhaut. In den letzten Jahren wurden die Stimmen lauter, die verlangen, dass gerade auch die großen Marken mehr Verantwortung übernehmen. Da hat sich seit dem großen Einsturz der Fabrik in Bangladesch 2013 zwar etwas gebessert – aber da ist noch Luft nach oben! Aber – als Einzelperson kann man im Alltag auch schon was machen, damit da irgendwann wirklich alle Fabriken auf einem akzeptablen Stand sind. Shia Su, unsere COSMO-Nachhaltigkeitsexpertin – die schwört auf Fairtrade-Bio-Klamotten. Eigentlich.

Aber die kosten wiederum ein kleines Vermögen – und das kann sich doch nicht jeder leisten!

Jain. Es ist eigentlich nicht so, dass ethisch vertretbare Kleidung “zu teuer” ist, sondern Fast Fashion ist einfach viel zu billig, weil die wahren Kosten ausgelagert werden: Die Arbeiter zahlen mit ihrer Gesundheit, die Umwelt wird zerstört und auch wir zahlen bis zu einem gewissen Grad mit unserer Gesundheit, denn all die Klamotten sind ziemlich schadstoffbelastet.
Faire Bio-Kleidung sind jetzt auch nicht exorbitant teuer. Die kosten in der Regel so viel wie Markenkleidung, nur mit dem Unterschied, dass da auch etwas vom Geld dort ankommt, wo es hin soll. Und ich behaupte jetzt mal ganz steil, dass jeder es sich leisten kann, sich einzukleiden, ohne bei der Ausbeutung mitzumachen.

Shia, du behauptest, dass jeder sich ethisch vertretbar einkleiden kann, auch mit kleinem Geldbeutel. Wie geht denn das?

Alles in Moderation halt. Also anstatt sich unüberlegt fünf Billigoberteile zu kaufen, wovon man drei sowieso nie anzieht, kaft man lieber nur ein ethisch vertretbares Oberteil, das man gerne trägt und das lange hält. Es gibt da inzwischen echt richtig viele neue Labels mit unverschämt gut aussehenden Designs. Das Öko-Mode auch Öko aussieht – also so’n bisschen wie aus Jutesäcken selbstgestrickt – das ist schon lange vorbei.
Also – geht! Und so schafft man die Nachfrage und unterstützt Firmen, die es besser machen wollen und nachhaltig produzieren. Denn jedes Mal, wenn man sich etwas neu kauft, zeigt man dem Produzenten, dass es lukrativ ist, die Sachen genau so zu produzieren. Deswegen ändern große Firmen auch nichts an den Produktionsbedingungen. Es ist zu lukrativ und für die meisten Kunden sind Ausbeutung und Umweltverschmutzung halt kein “deal breaker”.

Ja, gut, aber weniger Klamotten ist ja auch ein bisschen blöd. Dann steht man vorm Schrank und weiß nicht, wie man die Sachen gut kombinieren soll…

Du, ich komm direkt mit der nächsten steilen These daher: Dass man ratlos davor steht, liegt daran, dass man zu viele Klamotten im Schrank hat! Es gibt viel zu viele Kombinationsmöglichkeiten, und wer verliert da nicht die Übersicht? Und weil wir keine Übersicht über das haben, was zu Hause im Schrank hängt, kaufen wir Sachen nach, die sich gar nicht mit dem, was wir haben, kombinieren lassen. Mein Tipp ist sowieso, sich erst mal gar keine Klamotten zu kaufen. Das kann sich nicht nur jeder leisten, das spart sogar noch Geld ein. Und dann kommt der nächste, entscheidende Schritt: Kleiderschrank systematisch ausmisten!

Was heißt denn “systematisch ausmisten”?

2 Milliarden Kleidungsstücke verstauben laut Greenpeace in Deutschland praktisch ungetragen im Schrank. All diese Klamotten haben aber richtig viele Ressourcen verschlungen und das Leben von Tausenden Arbeitern ruiniert. Und diese Klamotten sortiert man aus und bringt sie wieder in Umlauf, damit weniger neue Klamotten produziert werden müssen. Ich verspreche dir, du wirst nichts vermissen, weil das ja sowieso Klamotten sind, die du nicht trägst. Es ist wirklich unglaublich befreiend, in den Schrank zu gucken und mal kein schlechtes Gewissen zu haben, weil man da die Sachen sieht, die man gar nicht trägt.
Wichtig ist es, beim Ausmisten darauf zu achten, dass die Sachen, die man behält, alle untereinander gut kombinierbar sind. Das Prinzip nennt sich Capsule Wardrobe. Und ich persönlich liebe es, zu wissen, dass ich jedes einzelne Stück im Schrank super gerne trage. Und plötzlich greift man morgens mit verpenntem Kopf in den Schrank und ist trotzdem immer gut angezogen!

Jetzt mal ehrlich, hältst du dich da immer dran? Sprich, hast du nur ganz wenige Klamotten und die sind alle Bio und Fairtrade?

Ja, ich hab nur sehr wenige Klamotten, die alle untereinander kombinierbar sind. Mir hat das Ganze unglaublich geholfen, endlich meinen eigenen Stil zu finden, in dem ich mich uneingeschränkt wohlfühle. Aber nein, nicht alles, was ich habe ist Bio und Fairtrade.

Was nicht??

Haha, nein ;). Das meiste ist noch von vorher. Ich hab schon einige Fairtrade-Bio-Stücke, aber auch Sachen von Klamottentauschparties. Oder mal was von Freundinnen, als die ihren Schrank ausgemistet haben. Und einige Stücke hab ich secondhand gekauft, denn so generiert man auch keine Nachfrage an falscher Stelle und braucht bereits eingesetzte Ressourcen auf. So ein Mix ist wirklich für jeden Geldbeutel drin.

11 Kommentare

  1. Oh, was mir noch einfällt:
    Maßschneidern ist auch noch eine Option, die nicht teuer ist (im Vergleich zu den Tragemöglichkeiten).
    Ich kaufe einen GOTS-Stoff und gehe damit zu meiner Maßschneiderin. Sie arbeitet zu deutschen Bedingungen mit entsprechendem Lohn und das Klamottenstück ist von A bis Z genau so von deer Passform, wie ich es brauche.
    Ich rechne dann immer mit der „cost-per-wear-formula“: So oft, wie ich den Preis durch sich selbst teilen kann, muss ich es tragen können, damit es „rentiert“. Also ein Rock für 300 € muss ich 300 x tragen => Da kauft man sich dann eben keine neonfarbene Tigerleggins, weil man die schon nach dem 3. Mal nicht mehr sehen kann.

  2. Hi Carolin,

    auf dem blog modefluesterin.de habe ich vor einiger Zeit eine Excel-Datenbank gesehen, wo alle Marken mit fairer Kleidung aufgeführt waren.
    Generell kann ich diesen Blog, sowie eine Farb- und Stilberatung sehr empfehlen.
    Wenn man nur noch die Farben/den Stil kauft, der zu einem passt, braucht man viel weniger und sieht immer gut aus.
    Und: Da tut Minimalismus auch nicht weh 😉 Außerdem ist das Buch von Annuschka Rees (weiß grad nicht, wie es heißt) auch empfehlenswert wenn es um das systematische Aufbauen einer Capsule Wardrobe geht.

    LG!
    Marion

  3. Ich hab ein tolles Buch gelesen! „Shopping Diät“ von Nunu Kaller
    Sie klärt sehr intensiv über die Produktion auf, hat viele Ideen für Alternativen und ganz ganz viele links für tolle Webseiten. Es ist auch als eBook erhältlich!
    Zum Inhalt: Sie kauft 1 Jahr lang gar nichts und danach nur noch bewusst!

    • Danke für den Lese-Tipp! Die Anna vom Blog Kauflos glücklich hat das auch gemacht und ich hab ihren Prozess auf ihrem Blog mitverfolgt, sehr spannend! Ihr Jahr ist um und sie schreibt noch weiter. Sie kam übrigens zum gleichen Ergebnis!

  4. Liebe Shia,
    danke für den tollen Artikel! Ich habe dieses Jahr vor, meinen Kleidungskonsum zu reduzieren, was bis jetzt auch gut klappt. Neu entdeckt habe ich einen Internet-Shop für Markenklamotten, da habe ich einige meiner absoluten Lieblingsteile her. Die kaufen auch gebrauchte Kleidung in gutem Zustand an, so dass ein Geben und Nehmen für Second-Hand-Ware entsteht. Finde ich super.

    • Danke für den Tipp, Cat! Wie heißt der Shop denn? Und weißt du zufällig, ob sie auch in alten Kartons verschicken (sie müssten ja so viele von den Leuten bekommen)?

  5. Liebe Katie,
    Ich nähe die Kleidung für meine drei Kinder, meinen Mann und mich selbst. Die Stoffe bestellte ich im Internet bei verschiedenen Herstellern direkt (lillestoff, c.pauli, stoffonkel) oder über Händler (biostoffe.at, siebenblau.de, meterwerk.de). Bei den Händlern gibt es auch verschiedenes Zubehör (Garn, Bänder, Kordeln). Die Stoffe sind fast alle GOTS zertifiziert, also aus Bio Baumwolle, bei den Händlern auch Leinen und Hanf, und während der gesamten Produktion überwacht. Meiner Meinung nach ist GOTS ein sehr gutes und strenges Zertifikat für faire, schadstofffreie und umweltbewusste Stoffe. Einfach mal stöbern 😉
    LG Petra

    • Danke für die Antwort! Ich hätte das nämlich leider nicht gewusst, weil ich selber seit Jahren nicht mehr Nähe (aber vielleicht es mal wieder sollte 😉 ). Find ich toll, dass ihr das macht!

  6. Schöner Artikel, allerdings versuche ich meine Klamotten so viel wie möglich selbst zu machen. Hast du eine Idee, wo man Stoffe herbekommt, die umweltverträglich hergestellt wurden?

  7. Vielen Dank für den Artikel! Gerade noch gestern habe ich mit mir selbst abgemacht, dass ab sofort nur noch faire Kleidung ins Haus kommt. Hättest Du vielleicht eine Übersicht Deiner liebsten Shops für uns? Kaufst Du in erster Linie im Internet oder direkt vor Ort?
    Einen schönen Sonntag :)!

    • Hi Carolin,
      ich kaufe die Sachen vor Ort, kann dir also leider keine Onlineshops nennen.
      Ich gucke dann hier:
      Bochum: Kong Island (vegan, bio, Fairtrade), Native Soul (bio, Fairtrade)
      Essen: Native Soul (größere Filiale, bio, Fairtrade)
      Köln: Fairfitters, Green Guerillas
      Liebe Grüße,
      Shia

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