FAQ – Vegan und Zero Waste

FAQ Zero Waste

Sollte man nicht als Zero Waster vegan leben?

Ich selbst versuche, so gut es geht vegan zu leben. Leider bekomme ich aber immer wieder mit, dass Zero Waster, die nicht vegan leben, ziemlich viele heftige Kritik deswegen abkommen, was ich persönlich nicht angemessen finde. Ja, tierische Produkte haben einen schrecklichen CO2- und Wasser-Abdruck. Und ja, ich denke schon, dass Zero Waste und vegan eine Kombination ist, die sich gegenseitig begünstigt.

ABER: Meiner Meinung nach sind beides dennoch nicht deckungsgleich. Bei Zero Waste geht es in erster Linie um die Verkleinerung seines eigenen ökologischen Fußabdrucks durch die Vermeidung von Müll. Es ist KEIN No-Impact-Konzept! Bei Vegan geht es vorrangig um Tierschutz, wobei natürlich auch Nachhaltigkeit und Gesundheit vielen am Herzen liegen. Für mich gehört inzwischen auch die Vermeidung von Plastikmüll oder Palmöl mit zum Tierschutz, denn an Plastikmüll verenden ebenfalls Tiere qualvoll, und durch Palmöl wird Regenwald illegal gerodet, was tausende Tierarten bedroht. Dennoch sind viele veganen Produkte in Plastik verpackt oder enthalten Palmöl.

Zero Waster, die nicht vegan leben, sind außerdem in meinen Augen nicht das Problem. Denn das sind meistens diejenigen, die sich aus ihrer ökologischen Überzeugung heraus sogar sehr viel Mühe geben, ihren Konsum von tierischen Produkten immer weiter herunterzuschrauben. Und wer vegan ist, wird wissen, dass man für eine Umstellung sowohl von den Routinen als auch vom Kopf her Zeit braucht. Und keiner von uns ist perfekt. Viel wichtiger finde ich, dass sich überhaupt jemand bemüht und auf den Weg macht!

Ist es einfacher oder schwerer, als Veganer müllfrei zu leben?

Ich glaube, dass es sich nicht viel nimmt. Wer vegan lebt, muss sich nicht mit Mitarbeitern an Wurst- und Käsetheken herumschlagen, bekommt allerdings seine Pflanzenmilch oder den Sojajoghurt auch nicht in Pfandflaschen und -gläsern (es sei denn, man lebt in München und kann sich seine Pflanzenmilch im Unverpackt-Laden OHNE holen).

Was machst du mit Vitamin B12?

Wir supplementieren Vitamin B12, versuchen aber natürlich dabei ebenfalls, den Müll so gering wie möglich zu halten. Wir nehmen die Lutschtabletten von Jarrow in der PET-Dose mit 100 Stück, weil die so hoch dosiert sind (1000 µg), dass es reicht, sie alle 3-4 Tage nur zu nehmen, wenn man nicht gerade einen Mangel damit auffangen möchte. Für Veganer wird die Einnahme von 1 Tablette alle 2-3 Tage empfholen. Da sie über die Schleimhäute aufgenommen werden lassen wir sie einfach so lange im Mund, bis sie sich wirklich von allein aufgelöst haben und haben den Abstand auf 3-4 Tage für uns verlängert.

Wir hatten auch Vitamin B12 zu 50 Stück in Glasflaschen Plastikdeckeln entdeckt, aber hochgerechnet, dass wir davon 15 Flaschen im Jahr verbrauchen würden, und allein die Plastikdeckel dann mehr Plastikmüll verursachen als die knapp 2 Plastik-Flaschen Jarrows im Jahr. Ein Instagram-Follower hat mich darauf hingewiesen, dass es von HealthAid (hoffentlich bringe ich das jetzt nicht durcheinander) Vitamin B12 in der gleichen Dosierung in Glasflaschen mit Plastikdeckel gibt. Ich hab’s versucht, zu recherchieren, aber man findet entweder nur Bilder mit der Papier-Umverpackung oder man sieht schlicht und ergreifend nicht, ob das braune Döschen nun aus Plastik oder Glas ist.  Es gibt sie in 50-er und 100-er Einheiten. Wir werden definitiv versuchen, mal welche zu bekommen, wenn unsere restlichen 1.5 Flaschen Jarrows sich dann dem Ende zuneigt.

Was machst du mit Pflanzenmilch?

Wir machen unsere Pflanzenmilch schon seit Jahren selber, lange bevor wir überhaupt auf Zero Waste umgestiegen sind. Wir hatten lange Zeit einen Sojamilchmacher, aber inzwischen reicht uns der Mixer. Wenn man nicht gerade Sojamilch macht (Sojabohnen müssen eingeweicht und 20 Minuten lang gekocht werden) und sich wie wir an Hafer- und hin und wieder Nussmilch hält hat in 30 Sekunden seine Pflanzenmilch selbst gemacht. Siehe auch: FAQ zu Pflanzenmilch und eine Anleitung für Mandelmilch, die man fast genauso auf andere Nussmilchsorten (z.B. Cashew-, Haselnuss-, Erdnuss- oder Walnussmilch), und ohne Einweichen auch auf Hafermilch anwenden kann. Wir halten uns an Hafermilch, denn Hafer ist regional, schmeckt uns gut und geht am schnellsten (unter 30 Sekunden).

Welchen Mixer benutzt du für deine Pflanzenmilch?

Wir haben einmal den Hochleistungsmixer Bianco Primo (ca. 300€), den wir uns damals eigentlich für unsere Grünen Smoothies zugelegt hatten („normale“ Standmixer können daran verenden), der aber auch perfekt für Pflanzenmilch ist. Außerdem haben wir den Personal Blender, der mit um die 120 € auch deutlich günstiger ist und super für kleine Mengen an Shakes, Pflanzenmilch, Kaffee, Gewürze oder Dressings ist.

Wie bekommst du Margarine unverpackt?

Gar nicht. Margarine verschmähen wir wegen Palmöl und/oder der Plastikverpackung. Ich weiß, es gibt Rezepte mit Kakaobutter oder man kann beim Backen u.Ä. auf Kokosöl zurückgreifen, aber das möchten wir nicht, weil beides auch wieder von weither importiert werden muss und wir bisher einfach keinen Ersatz gebraucht haben. Glaubt’s mir, man braucht zum Backen kein Streichfett! Auf meinem veganen Back-Blog Cake Invasion findet ihr sogar Plätzchen, die man ganz ohne Margarine oder Ähnlichem backen kann. Und falls wir mal Fett auf unserem Brot brauchen (was wir aber normalerweise gerne weglassen), kommt da Oliven- oder Sonnenblumenöl drauf.

Was machst du mit pflanzlicher Sahne?

Ich lasse sie im Laden stehen. Ich backe seit fünf Jahren vegan und blogge darüber. In den fünf Jahren habe ich vielleicht eine Packung vegane Sahne im Jahr „gebraucht“, wenn überhaupt. Ich lebe und backe wunderbar ohne und habe noch nie was vermisst.

Was machst du mit veganem Käse-Erstatz?

Veganen Käse-Ersatz kann man aus Nüssen und anderen Zutaten, die man gut unverpackt bekommt, selber machen, am besten nach „vegan cheese“ googeln oder bei Pinterest gucken. Wir sind dafür aber zu faul und uns fehlt nix.

An welchen Stellen muss man sich zwischen Zero Waste und vegan entscheiden?

  • Zahnseide: Entweder aus Nylon in Papier statt Plastikbox oder kompostierbar, aber aus Naturseide mit Bienenwachsbezug…
  • Veganer Joghurt: Gibt es ausschließlich in Plastik. Provamel/Alpro habe ich schon mal auf Messen angesprochen und nein, eine plastikfreie Verpackung ist für sie keine Option. Man könnte sich Sojajoghurt auch selbst machen, braucht dafür aber Starterkulturen (vegan sind z.B. die von Holo aus dem Reformhaus, wo meinte ich 3 Tütchen aber für 50 Liter reichen), die es aber nicht ganz plastikmüllfrei gibt und die sich erst lohnen, wenn man genug Joghurt isst, um immer seine Joghurtkulturen am Leben zu erhalten.
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6 Kommentare

  1. Moin Shia,

    „Und keiner von uns ist perfekt. Viel wichtiger finde ich, dass sich überhaupt jemand bemüht und auf den Weg macht!“

    Damit sprichst Du mir zu 100% aus dem Herzen!

    Ich koche und esse seit 20 Jahren vegetarisch und lebe seit etwa fünf Jahren (so gut es eben geht) vegan. Seit ich damals meine Ernährung umgestellt habe, bin ich auf viel Widerstand und Provokation gestoßen, im Sinne von anfangs: „Ach ja, aber Käse und Eier isst du, hm!?“ Später dann: „Ach ja, nichts vom Tier essen wollen, aber Lederschuhe tragen, hm!?“ Jetzt noch gelegentlich: „Was sagt denn dein Mann dazu, der isst doch bestimmt Fleisch? Wie, der lebt auch vegan? Aber dein Hund, der kriegt doch wohl Fleisch zu fressen, oder?“

    Als ich noch jünger war, fühlte ich mich in solchen Situationen in der (Erklärungs-)Bringschuld, bis ich irgendwann zurück gefragt habe: „Und – wie sieht DEIN Beitrag aus?“ Danach war und ist prompt Ruhe im Karton, es wird allenfalls rumgerudert nach dem Motto „Öhm, also, ich esse ja auch kaum noch Fleisch, außer Geflügel und ich hab‘ neulich auch mal einen vegetarischen Auflauf gegessen, hüstel!“

    Viele Menschen, mit denen ich heutzutage ins Gespräch komme, sind aber auch sehr offen und interessiert. Sie freuen sich, wenn sie konkrete Fragen stellen können und praxistaugliche Tipps bekommen. Nun, frau tut, was sie kann. 😉

    Mein Fazit:
    Ich mache es immer so gut, wie der aktuelle Stand meiner Unwissenheit es gerade zulässt. Immerhin, ich bin mir dessen bewusst, lernwillig und offen für andere Blickwinkel und neue Möglichkeiten … 🙂

    Liebe Grüße
    Esther

  2. Hallo Shia,
    super spannende FAQ-Liste. Mich würde noch interessieren, was Du bezüglich Schokolade machst. Selbst in Wien in der Maßgreißlerei bekommt man leider keine offene vegane Schokolade, auch die dunkle Schoko hat Milch drinnen 🙁

    Joghurt kann man übrigens auch ohne gekaufte Bakterien mit Rejuvelac oder Brottrunk selber machen, hier ist z.B. ein Rezept: http://www.veganblatt.com/selbstgemachtes-kokosnuss-joghurt-rejuvelac

    Liebe Grüße,
    Karin

  3. Für alle veganen Alternativprodukte kann ich auch echt wärmstens das Buch „Vegan lecker, lecker 2“ empfehlen. Da sind haufenweise hilfreiche Rezepte in der Rubrik „machs dir selbst“. Unter anderem Sojasahne für „Cremige-Saucen-Freaks“ wie mich: 125 ml Sojasahne, 70 ml Öl, 1 TL Säure (ich nehme Apfelessig wegen Regional und so…, sonst Zitronensaft), etwas Salz, ca. 1 Minute pürieren, fertig! Schon 1000fach mit selbstgemachter Sojamilch probiert und für immer wieder gut befunden.

    • Herzlichen Dank für den Tipp! 🙂

      Ich mag Schlag zu Apfelkuchen, hab‘ aber (auf Creme aus Soja & Co) wegen der Verpackung oft verzichtet, obwohl ich sie lecker finde … Sojadrink haben wir immer im Haus, wobei wir auch die wegen der Verpackung sparsam verwenden (nur im Kaffee).

      Beste Grüße
      Esther

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