Europäische Woche der Abfallvermeidung: Gib Dingen ein zweites Leben

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Hab ihr es mitbekommen? Diese Woche war die „Europäischen Woche der Abfallvermeidung“. Dazu hat es in vielen Städten Aktionen und Mitmach-Veranstaltungen gegeben. Das Motto in diesem Jahr: „Gib Dingen ein zweites Leben.” Dahinter steckt die Idee, beispielsweise kaputte Elektro-Kleingeräte nicht wegzuwerfen, sondern reparieren zu lassen. Oder das sogenannte Upcycling. Also Abfall oder scheinbar nutzlose Stoffe nicht wegzuwerfen, sondern sie in neuwertige Produkte umzuwandeln. Ihr kennt das vielleicht: Aus Kunststoff-Verpackungen werden beispielsweise Taschen genäht oder ausgediente Anschallgurte aus Schott-Autos werden zu Umhängegurte für Taschen. Gute Idee, sagt auch unsere Cosmo-Nachhaltigkeitsexpertin Shia Su – aber es geht auch besser.

Wie denn Shia?

Also Upcycling oder sogenannte Repair-Cafés, wo man z.B. kleine Elektrogeräte reparieren lassen kann, sind schon cool und auch hilfreich, aber eigentlich muss man vorher schon ansetzen. Es geht in erster Linie darum, überhaupt erst mal weniger Zeugs und damit auch weniger Müll anzuhäufen. Müllvermeidung fängt nämlich beim Kaufen und nicht beim Wegwerfen an. Wenn man weiterhin Produkte kauft, die darauf angelegt sind, entweder direkt im Müll zu landen – z.B. Verpackungen – oder die eben von vornherein nur eine kurze Lebensdauer haben – z.B. Einwegzeugs wie Wattepads oder qualitativ minderwertige Waren – dann bringt auch Upcycling oder reparieren nichts.

Also stehst du dem Upcycling-Trend eher etwas kritisch gegenüber?

Jein. Am Ende kommt es halt auf das “Wie” an. Jede Ressource, die verbraucht ist, ist verbraucht. Reparieren und upcyceln bringt also nur dann was, wenn die Sachen, die ein zweites Leben bekommen auch tatsächlich dazu führen, dass weniger Neuwaren gekauft werden müssen. Wenn Eltern aber beispielsweise extra Säfte im Getränkekarton statt in der Glas-Mehrwegflasche kaufen, damit ihre Kinder mit dem Karton im Upcycling-Workshop basteln können, oder wenn beim Upcycling etwas entsteht, was die Welt nicht braucht, ist natürlich nichts gewonnen.

Bei der Europäischen Woche der Abfallvermeidung geht es aber zum Glück ja wirklich um Abfallvermeidung. Das heißt, Reparieren und Upcycling sind einer von vielen Schwerpunkten. Andere Themen sind z.B. Sharing-Economy, also Dinge lieber mal leihen, als zu Kaufen, oder lieber Mehrwegbecher statt Wegwerf-to-go-Becher zu benutzen, Vermeidung von Verpackungsmüll und – auch sehr cool – Umweltbildung.

Shia, wie machst du das denn eigentlich? Reparierst du denn viel? Gibst du vielleicht selber sogar Upcycling-Workshops?

Nee, du, feinmotorische Tätigkeiten sollte man mir besser nicht anvertrauen! Ich gebe auch zu, dass ich mehr reparieren lasse als selber repariere. Wenn was an meinem Handy kaputt geht, repariere das nicht selber, da hätte ich Angst, noch mehr Schaden anzurichten! Aber andere Kleinigkeiten mache ich schon selber. So was wie mal ein paar Winkel zum Stabilisieren in mein wackliges Bett schrauben oder so. Wobei das auch wieder zeigt: Hätte ich damals ein besser verarbeitetes Bett aus massivem Holz gekauft, wäre mir der Bettrahmen auch wahrscheinlich nicht einfach mal durchgebrochen. Aber gut, ich wusste es damals nicht besser. Zum Glück sind inzwischen die meisten Sachen, die ich besitze, auf eine lange Nutzungsdauer angelegt, d.h. so häufig kommt es gar nicht mehr vor, dass ich irgendwas reparieren lassen müsste.

Was sind denn Sachen, die du reparierst oder upcycling-mäßig wiederverwertest, die andere wahrscheinlich wegwerfen würden?

Hm, allem voran wahrscheinlich Klamotten. Mit Fast Fashion ist Kleidung ja leider zur Wegwerfware mutiert. Wir alle kennen die Klamottenläden, wo es T-Shirts schon für 2-4 Euro gibt – einmal getragen und dann sind die oft schon durch. Ich kaufe solche Klamotten nicht, und die Kleidung, die ich habe flicke ich tatsächlichund versuche so das letzte bisschen Leben noch rauszuholen. Wenn das nicht mehr geht, werden daraus entweder Lappen, Abschminkpads, Stofftaschentücher oder ich verschenke sie als Stoffreste an Bekannte, die viele Nähen und coole Sachen noch daraus kreieren. Wenn selbst das keine Option ist, kompostiere ich die Stoffreste, zumindest wenn es keine Kunst- oder Mischfasern sind.

Was mache ich denn mit Dingen, die reparaturbedürftig sind, aber die ich nicht selber reparieren kann und die zu viel kosten würden, wenn ich sie reparieren lassen würde?

In vielen Städten gibt es sogenannte Repair-Cafés. Da kann man hingehen und sich von freiwilligen Helfern zeigen lassen, wie man das repariert. Das ist echt eine super Sache für so Leute wie ich, die viele Sachen gerne reparieren wollen, keine Kompetenzen haben, aber es gerne lernen wollen. Also wenn der Toaster oder die Kaffeemaschine nicht mehr funktioniert, kann das mit ein paar Handgriffen schon repariert sein.

Aber: Manchmal findet ja man auf dem Dachboden oder so Dinge, die kaputt sind und die man auch selbst nicht mehr braucht. Der alte Fernseher, der alte Drucker. Sowas auch nicht wegwerfen, sondern lieber zum Beispiel bei eBay reinstellen mit den Hinweis „für Bastler“. Dann können andere nämlich die wertvollen Bauteile nutzen oder das Gerät gleich fit machen – und wieder hat man der Welt Müll erspart. Und manchmal bekommt man auch ein paar Euro, was ja auch nicht schlecht ist.

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