Eine Welt ohne Müll? #FoodForThoughtFriday

1966 schreibt Max Frisch in sein Tagebuch*:

“Frage 1: Sind Sie sicher, dass die Erhaltung des Menschengeschlechts, wenn Sie und alle Ihre Bekannten nicht mehr sind, Sie wirklich interessiert?
Frage 2: Warum? Stichworte genügen.”

Ungefähr zwanzig Jahre später beginnt er seinen Text mit dem Titel “Fragebogen 1987” mit der gleichen Frage 1, nur die Folgefrage fasst er nun anders – pessimistischer, würde ich sagen: “Und wenn ja: Warum handeln Sie nicht anders als bisher?”

Diese Frage können wir nicht nur auf die Menschheit, sondern auch auf unseren gesamten Planeten beziehen.

Wir alle wissen über den Klimawandel und seine Folgen Bescheid, warum kaufen wir immer noch fröhlich das ganze Zeug, was einmal um die Erde verschifft wurde? Wir wissen, dass es ganze Plastik-Kontinente im Atlantik gibt, warum unterstützen wir immer noch die Plastikproduktion durch unser Kaufverhalten? Warum handeln wir nicht anders als bisher?

In seinem Tagebuch fragt Frisch einige Fragen später:

“Wann haben Sie aufgehört zu meinen, dass Sie klüger werden. Oder meinen Sie’s immer noch? Angabe des Alters.”

Glauben wir noch daran, unseren Planeten durch klügere Entscheidungen retten zu können? Oder haben wir schon lange aufgegeben?

In diesem Spirit von Frisch, durch etwas schräge Fragen anzuregen, vielleicht aus einer anderen Perspektive und mit einem kleinen Augenzwinkern über Nachhaltigkeit und Zero Waste zu reden, habe ich auch mal einen kleinen Fragebogen zusammengestellt. Und wie bei Frisch auch, geht es nicht darum andere Leute bloßzustellen, sondern sich selbst ein bisschen besser kennenzulernen. Trotzdem bin ich natürlich neugierig: Wer einige Antworten gerne teilen möchte, ist natürlich herzlich eingeladen, dies unten im Kommentarbereich zu tun. Viel Spaß!

  1. Kannst du dir ein Leben ohne Müll vorstellen? Zähle drei Veränderungen von Alltagsgewohnheiten auf, die deinen Müll sofort verringern würden!
  2. Schiebst du manchmal das Müllrausbringen auf, weil die Mülltonne so ekelig ist? Wenn ja, warum hast du den Müll dann dorthin geworfen?
  3. Denkst du, dass eine effiziente Mülltrennung zur Müllreduktion beiträgt? Warum? Warum nicht?
  4. Hast du jemals darüber nachgedacht, wie das Leben für die Menschen ist, die in der Müllentsorgung arbeiten? Wenn ja, beschreibe es in einigen Worten.
  5. Angenommen es gäbe keinen Müll mehr, würde es dich traurig machen, wenn all diese Leute einen neuen Job in einer anderen (und vielleicht weniger stinkenden) Branche finden müssten?
  6. Wenn wir alle müllfrei leben würden, was würde das für die Wirtschaft bedeuten? Stichworte genügen.
  7. Hast du genug Zeit?
  8. Wenn du weniger Zeit mit Müllsortieren und -rausbringen verbringen müsstest, wofür würdest du die Zeit nutzen?
  9. Denke an all die Sachen, denen du gerne mehr Aufmerksamkeit schenken möchtet. Ist Müll dabei? Mache eine Liste.

*Affiliate Link, d.h. ich bekomme eine kleine Provision, wenn ihr das Buch über diesen Link zu Osiander kauft. Ich möchte euch aber ermuntern, euch das Buch in der Bibliothek auszuleihen oder im örtlichen Buchhandel zu kaufen!

6 Kommentare

  1. Hallo ihr 2

    Hab Euren Blog hier über einen Newsletter entdeckt… Richtig klasse Idee, dieser Blog 🙂 Ich hoffe, es besinnen sich mehr Leute auf die Vermeidung von Müll, etc.
    Es gibt ja bei euch in Deutschland sehr gute Initiativen, wie zb. Innatura, die ja auch in dieser Richtung unterwegs sind. Auch hier eurem Nachbarland Österreich mittlerweile 🙂 Schaut doch morgen mal auf die FB-Seite von diefairmittlerei.at, hab da was nettes vorbereitet 😉

    Liebe Grüße
    Stefan

  2. Hallo Hanno,

    freut mich auch sehr, dass du jetzt öfter schreibst. Ich fand schon „Grüner Konsum ist auch…Konsum“ sehr anregend und habe mich im Alltag tatsächlich mehrmals dabei ertappt, wie ich bei bestimmten Handungen und Kauf- bzw. Nicht-Kaufentscheidungen an deine Worte gedacht habe. 😀
    Mein Ziel für 2018 ist, meinen Müll zur Hälfte zu redizieren. Das Konzept Zero-Waste kenne ich schon länger, aber ich habe bisher erschreckend wenig erreicht, obwohl ich eine permanente Wasserflasche, Obstbeutel aus Stoff, einen Brotbeutel und ähnliches eingeführt habe. Das soll sich 2018 endlich ändern und ich werde in diesem Sinne meine Verhaltensweisen und meinen produzierten Müll als erstes analysieren, um dann herauszufinden, was ich noch relativ unkompliziert verändern kann. Da kommt mir so ein Fragebogen natürlich gerade recht als Gedankenanstoß.
    Da sich meine Antworten stark den schon genannten ähneln, poste ich sie nicht. Möchte allerdings mal erwähnen, dass in einer Müllsortieranlage mit Fließband zu arbeiten laut meinem Onkel kein so schlechter Job ist. Er hat das mehrere Jahre gemacht und die Bezahlung und Arbeitsbedingungen waren wohl sehr annehmbar. Er fand es dank Handschuhen und guter Belüftung auch nicht eklig.

    Grüße,

    Frieda

  3. Hallo Hanno, hallo Shia.

    Ich folge schon länger diesem Blog und freue mich über jeden neuen Beitrag. 🙂 Die Artikel haben mich sehr inspiriert und so habe auch ich mich auf den Weg gemacht, um mit weniger Müll (insbesondere Plastik) zu leben.

    Dabei steht mir leider ein ganz wesentlicher Punkt im Weg: ich benötige eine glutenfreie Ernährung. Glutenfreie Produkte zeichnen sich dadurch aus, dass sie doppelt und dreifach sicher in dickem Plastik eingepackt sind. Da ich da sehr empfindlich bin, muss auch meine Familie und jeder Besucher glutenfrei essen und trinken. Was leider nicht immer klappt. Zudem ist Holz aufgrund der Kontaminationsgefahr in der Küche tabu.

    In meiner Stadt wäre es ohne Probleme möglich Zero Waste zu leben. Der Bioladen und der Demeter-Hof um die Ecke unterstützen verpackungsfreies Einkaufen und es gibt sogar einen (ganz schön teuren) Unverpackt-Laden in meinem Viertel. Ich kann in letzterem nur leider (fast) nichts kaufen, da dort mit möglichen Kontaminationen zu lasch umgegangen wird. Jegliche Versuche dort noch geschlossene Großpackungen zu beziehen (im Lager stehen sogar welche mit Glutenfreizeichen drauf!) liefen bisher leider ins Leere.
    Irgendwie hat sich unser Hausmüll trotzdem reduziert und mir fällt auf, dass das, was noch im Müll landet, der Tatsache geschuldet ist, dass ich mich und meine Familie nicht den ganzen Tag nur mit Kartoffeln und frischem Gemüse ernähren möchte… Irgendwie frustrierend, weil noch so unglaublich viel.

    Immerhin:
    -Haben wir langfristig auf Zahnpastatabletten und Bambuszahnbürsten umgestellt
    -ich habe alte Stoffe zu kleinen Lappen genäht, damit haben wir Küchentücher komplett ersetzt und mittlerweile vermisst sie auch keiner mehr
    – Wattestäbchen abgeschafft
    – Müssen wir den Müll (ein 10l Eimer Plastik, einen für Papier, einen…) nicht mehr alle zwei Tage sondern nur noch zweimal die Woche rausbringen
    – Verbrauchen wir durch die Nutzung von Stoffwindeln fast keine Einmalwindeln mehr.
    – habe ich beschlossen, keinen Plastikgegenstand mehr (nach)zukaufen und das auch durchgezogen
    -einzelne Plastikgegenstände verkauft und durch ungiftigere und umweltfreundlichere ersetzt
    – die vielen mitgebrachten Tüten meiner Schwiegermutter gesammelt in die Hand gedrückt und ihr verdeutlicht, dass ich die nicht einfach wegschmeiße. Seitdem nutzt sie für ihr Mitbringsel die immer gleiche Stofftasche. 😉
    – weiß ich in vielen Lebensbereichen schon theoretisch wie es gehen könnte.
    – haben wir gemeinsam angefangen unsere Wohnung zu entrümpeln, um vielleicht etwas minimalistischer zu leben. Alles verantwortungsbewusst weiter zu geben, frisst allerdings ganz schön viel Zeit… Mittlerweile bin ich froh um jeden Gegenstand, den ich später nicht mehr mühevoll loswerden muss…

    Eigentlich wollte ich ja auch die Fragen beantworten. Also:
    1. Im Moment noch nicht.
    2. Nein.
    3. Nein. Der Müll ist ja trotzdem da. Und selbst wenn man Mal irgendwann alles zu 100% wieder verwenden könnte, auch recyceltes Plastik im Meer ist tödliches Plastik…
    4. Ja. Aber ich denke es gibt schlimmere Jobs.
    5. Nö. Da findet sich sicher was besseres.
    6. Die Unternehmer würden sehr viel weniger verdienen. Die Wirtschaft könnte nicht mehr nur auf stetiges Wachstum durch Konsum ausgerichtet sein. Die Unternehmer müssten sich ausdenken, wie es möglich ist glutenfrei UND verpackungsfrei zu leben. Jackpot!
    7. Eigentlich haben wir das alle… Das ist nur eine Frage der Prioritäten.
    8. Kochen, mich meiner Familie widmen, einfach nur im Sessel sitzen und den Vögeln zuschauen. Gärtnern.
    9. Nein, Müll gehört natürlich nicht dazu. Höchstens wie ich ihn vermeide. Siehe Antwort 8.

  4. Mmh, ich versuche mich mal in einer Beantwortung, auch wenn die Antworten wahrscheinlich etwas anders ausfallen als geplant.
    1. Ja. Weniger auf dem Weg essen, konsequent mit Stoff wickeln, weniger Milchprodukte (inkl. deren Verpackung) konsumieren.
    2. Nein
    3. Müll im Sinne von Hausmüll: nein, wie schon Aeris schrieb, Reduzierung fängt vor der Trennung an. Müll im Sinne von weniger „untaugliche“ Reststoffe: ja, da der anfallende Müll besser verwertet werden kann.
    4. Ja. In Deutschland ist das (meistens) ein recht guter und auch vglsw. gut bezahlter, wenn auch körperlich anstrengender Job mit qualifiziertem Personal. Schade ist, dass in vielen Bundesländern immer noch keine Frauen bei der Müllabfuhr arbeiten dürfen.
    5. nicht mehr oder weniger als bei anderen Branchen
    6. langlebigere Produkte, andere Geschäftsmodelle, kein Fokus auf Wachstum, aber komplett müllfrei ist physikalisch nicht möglich, wenn wir Müll nicht nur beim Konsumenten, sondern auch in Produktion und Logistik mit einbeziehen
    7. Jein 🙂
    8. Die Zeit dafür ist minimal. Das würde mir im täglichen Zeitbudget wahrscheinlich nicht auffallen.
    9. Ja, im Sinne von müllarmes Einkaufen, ansonsten Familie, Prioritätensetzung, Reduzierung im Alltag.

    • P.S. Ich wollte noch anmerken, dass ich es toll finde, dass du (Hanno) jetzt auch hier schreibst. Ich mag deine Artikel.

  5. Diese Fragen sollten sich vor allem Menschen stellen, die sich bisher noch nicht mit Müllvermeidung beschäftigt haben.
    1. Wenn es heißen sollte „ein Leben ohne Müll“: Ja. Keine in Plastik verpackten Lebensmittel kaufen, auf dem Markt und im Unverpacktladen einkaufen, kompostieren.
    2. Nein.
    3. Nein. Reduktion beginnt vor der Trennung. Es sollte einen Kreislauf geben, in dem JEDER „Müll“, der noch anfällt, als Ressource wiederverwendet wird.
    4. Stinkend, anstrengend, noch unangenehmer bei großer Hitze/Kälte und Regen/Schnee.
    5. Nein.
    6. Neue Industriezweige müssten entwickelt/ausgebaut werden: s. 3., reparieren statt neu produ-zieren, leihen, tauschen, (ver)mieten. Postwachstum.
    7. Ja.
    8. Unverpacktes Einkaufen organisieren, selber kochen.
    9. Nein. Mein Zuhause, meine Hobbies, ich selbst, kreativ sein, Dinge selber machen.

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