„Coffee to go“ im eigenen Becher – geht das?

Jeden Sonntag gibt es um 14:30 Uhr bei COSMO von mir etwas zu Nachhaltigkeit auf die Ohren! Besser bekannt ist der Radiosender wahrscheinlich momentan noch unter Funkhaus Europa, das internationale und interkulturelle Hörfunkprogramm von den öffentlich-rechtlichen Sendern WDR, Radio Bremen und Rundfunk Berlin-Brandendenburg. Seit dem 1. Januar 2017 nun umbenannt in COSMO.

Zu empfangen in NRW auf 103,3 MHz, in Bremen und Teilen Niedersachsens auf 96,7 MHz, in Bremerhaven auf 92,1 MHz und in Berlin und Umgebung auf 96,3 MHz.

Hier könnt ihr diesen Talk nachhören
COSMO Livestream

Die Zeit ist immer knapp. Da kommt einem der Kaffee zum Mitnehmen, der Coffee to go, gerade recht. Die Becher haben inzwischen allerdings die Plastiktüte als Müllverursacher Nummer 1 überholt. Was kann man dagegen tun? Darüber sprechen wir mit unserer Nachhaltigkeitsexpertin Shia Su.

Nach Angaben der Deutschen Umwelthilfe schmeißen die Deutschen allein 320.000 Kaffeebecher pro Stunde weg – und das bei einer durchschnittlichen Nutzung von nur etwa 15 Minuten. Für die Herstellung der rund 106.000 Tonnen Kaffeebecher sind 64.000 Tonnen Holz und 11.000 Tonnen Kunststoff sowie 1,5 Milliarden Liter Wasser notwendig. Allein mit der dabei verbrauchten Energie könnte man ein ganzes Jahr lang eine Kleinstadt versorgen.

Shia, du bringst wahrscheinlich deinen eigenen Becher mit. Sag mal, geht das denn wirklich überall?

Ich habe mir tatsächlich mit der Zeit abgewöhnt, mir meinen Kaffee “to go” zu holen, aber nicht wegen des Mülls. Es ist nämlich wirklich gar kein Problem, den Kaffee auch im eigenen Becher to go zu bekommen. Das hat mir wirklich noch kein einziger Laden verwehrt. Im Gegenteil: Wenn das überhaupt jemand kommentiert hat, dann immer sehr positiv.

Ich genieße jetzt meinen Kaffee „to stay”, weil ich irgendwann einfach keinen Bock mehr hatte, mir den Kaffee unterwegs zwischen Tür und Angel herunterzukippen. Das war mir mit der Zeit zu stressig. Aber klar, manchmal mache ich das natürlich trotzdem noch. Manchmal brauche ich halt auch ein schnelles Koffein-Doping. Und da gibt es zum Glück jetzt sogar Pfandbecher-Projekte für diejenigen unter uns, die ihren „Privatbecher” im Stress auf dem Küchentisch vergessen haben.

Wie genau funktioniert das mit dem Pfandsystem auf Kaffeebecher denn?

Das System funktioniert ähnlich wie bei den Pfandflaschen. Cafés, Bäckereien und zum Teil sogar Tankstellen nehmen daran teil. Da kann man sich dann seinen Kaffee im Mehrwegbecher mitnehmen. Den leeren Becher kann man dann in einem der teilnehmenden Läden einfach wieder abgeben. Das Coole daran ist, dass man dann endlich auch nicht mehr mit diesen Labberdingern herumlaufen muss, die man erstens schlecht anfassen kann, weil sie schwabbelig sind und heiß werden. Zweitens ist es immer ein kleines Glücksspiel, ob man es heute mal kleckerfrei schafft. Und drittens ist der Kaffee gerade im Winter dann oft ganz schnell kalt. Die Mehrwegbecher, die man bekommt, sind zum Glück Thermobecher, da heißt, der Kaffee bleibt warm, man kann den Becher anfassen und sogar als Grobmotoriker gut daraus trinken. Aus meiner Sicht also ein Upgrade auf allen Ebenen.

Gibt es das schon deutschlandweit?

Nein, leider nicht. Es ist immer noch eher eine lokale Sache. Es gibt solche Projekte bereits in Freiburg, Hamburg, Berlin, Marburg, Regensburg und Rosenheim. Es gibt auch einige wenige Unverpackt-Läden, die ihren eigenen Coffee-to-go-Pfandbecher anbieten, weil es noch nicht überall solche Pool-Projekte gibt. Es wäre natürlich super, wenn es das bald auch flächendeckend gäbe, aber das hängt bisher auch mit den Gegebenheiten vor Ort ab. In Hamburg hatte zum Beispiel die Hamburger Umweltbehörde selbst den “Kaffee auf” und hat einfach im eigenen Haus schon mal Mehrwegbecher eingeführt und beschlossen, mal gezielte Lösungen dafür zu entwickeln.

Heißt das, dass es wohl erst mal kein deutschlandweit einheitliches System geben wird?

Erst mal wird es das wohl nicht geben. Aber so supertragisch finde ich das jetzt auch nicht, denn bei einer durchschnittlichen Nutzungsdauer von ganzen 15 Minuten kommt der Becher ja meistens auch nicht so weit. Da reicht es ja meistens, wenn man den Becher dann beim nächsten Bäcker in der gleichen Stadt abgeben kann.

Die Deutsche Umwelthilfe hat dafür auch das Projekt “Die Becherheldin” gestartet. Die hat nützliche Info-Pakete geschnürt, wo man allerlei Fakten und Zahlen nachlesen kann. Dazu hat sie auch die Hygieneämter befragt und kam zum Ergebnis: Auch das Befüllen des “Privatbechers” ist eine saubere Sache und somit problemlos umsetzbar und übrigens auch rechtlich nicht untersagt. Und auch die Bundesumweltministerin Barbara Hendricks hat erst im November das Freiburger Mehrweg-System gelobt.

Also gibt es ja vielleicht doch die Chance, dass sich auf Bundesebene was tut?

Leider plant die Bundesregierung zumindest momentan nichts in der Richtung. Und Hendricks setzte bisher eher auf Appelle, indem sie derartige Initiativen explizit begrüßt oder eben lobt. Auf Städte- und Länderebene tut sich aber etwas, aber auch eben nur in der Form, dass regionale Initiativen gefördert werden. Das Land Hessen hat dem Handel beispielsweise einen Preisnachlass von zehn Cent für Kunden vorgeschlagen, die ihren eigenen Becher mitbringen. Wer also ins Auge fasst, so etwas mal bei sich in der Gegend anzuzetteln, kann sich zumindest an seine Kommune wenden und mit etwas Glück da Unterstützung bekommen.

1 Kommentare

  1. Ich gehe beinahe jeden Samstag auf den Wochenmarkt in unserer Stadt. Dort gibt es einen kleinen Kaffeewagen, der einen so fantastischen Kaffee macht, dass wir manchmal nur deswegen auf den Markt gehen. Aufgrund seiner Mobilität hat er allerdings nur To-Go-Becher.
    An dem entsprechenden Stand trifft man immer – und ich meine immer, selbst beim schlimmsten Wetter – tolle Menschen, mit denen man sich dann stundenlang unterhält. Und wie das so ist gibt es dann Kaffee nach Kaffee nach Kaffee…
    Wir haben mittlerweile auch immer jeder eine Tasse (ich eine handelsübliche Kaffeetasse, mein Mann eine Camping-Tasse aus Metall) dabei, in der wir unseren Kaffee dann kriegen. Überhaupt kein Problem. Wir befestigen die Tassen wenn sie leer sind (also vorher und nachher) übrigens immer mit einem Karabiner an einer Gürtelschlaufe. So hat man die Hände frei, die Tasse immer griffbereit und man kleckert sich mit Kaffeeresten nicht die Tasche voll.
    Tatsächlich hat sich mittlerweile in unserem Umkreis eine kleine entsprechende Kaffee-Tassen-Kultur entwickelt. Wenn mal jemand aus der „Truppe vom Kaffeestand“ keine Tasse dabei hat, wird auch gerne die eigene verliehen oder sogar verschenkt.
    Sollten wir doch mal alle die Tassen daheim vergessen haben, verwenden wir die Pappbecher vom ersten Kaffee selbstverständlich wieder.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.