China will unseren Plastikmüll nicht mehr – was nun?

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Ihr habt das sicher schon mitbekommen – vor kurzem wurde bekannt, dass China keinen Bock mehr auf unseren Müll hat. Bislang wurde da nämlich jede Menge Müll hingeschifft, der dann dort entsorgt wurde. Alleine aus EU-Ländern wurde fast 90 Prozent Plastikmüll dort entsorgt. Damit ist bald Schluss und darüber haben wir mit Shia Su, unserer Cosmo-Nachhaltigkeitsexpertin gesprochen.

Shia, was sagst Du denn zu diesen Sache?

Ehrlich gesagt finde ich es richtig gut, dass China da jetzt mal ein Machtwort gesprochen hat und das beenden will. Ich bin ja generell der Meinung, dass man die eigene Suppe auch selber auslöffeln soll. Unser Plastikmüll hat nämlich in China nicht nur die Umwelt verschmutzt, sondern auch Menschen krank gemacht. Wir wussten eigentlich auch ganz genau, dass das mit dem Recycling dort alles nicht ganz so sauber von statten geht, wie wir es hier in Europa hätten machen können. Wir haben die fehlende Transparenz aber hingenommen, weil wir zu bequem waren, um uns selber um unseren Müll zu kümmern. Aber: Ich sehe das jetzt als große Chance, dass wir hier in Deutschland endlich auch auf Plastikvermeidung statt nur Recycling zu setzen.

Meinst du, das ist realistisch? Werden nicht einfach mehr Recycling-Anlagen gebaut?

Ja, die werden sicherlich auch gebaut, aber das allein reicht nicht. Und ja, ich finde es realistisch, dass sich auch in Sachen Müllvermeidung etwas tut. In Brüssel denkt man jetzt schon über eine europäische Plastiksteuer nach. Da wette ich doch, dass viele Hersteller ganz plötzlich doch mit deutlich weniger Plastikverpackungen auskommen. 😉

Ich hoffe auch, dass auch endlich einige Verbote ernsthafter durchgesetzt werden, statt wie bei den Plastiktüten eine “freiwillige Selbstverpflichtung” einzuführen. Klingt nicht nur unglaublich unsexy, ist auch einfach nicht sehr effektiv. Gute und erfolgreiche Beispiele gibt es international schon. San Franscisco hat bereits 2017 Styropor verboten, Seattle hat neuerdings Einweg-Plastikstrohhalmen den Kampf angesagt – und gewonnen – und in Frankreich wird es ab 2020 kein Einweg-Plastikgeschirr mehr geben. Mehrere Städte, wie z.B. Vancouver in Kanada, haben sich das Ziel gesetzt, in den nächsten Jahrzehnten zu Zero-Waste-Städten zu werden. Und ich sehe nicht, warum wir das in Deutschland nicht auch könnten.

Shia, du hast eben schon kurz Plastiktüten angesprochen. Sind die denn wirklich noch ein Problem? Es gibt doch schon in vielen Supermärkten und Läden Papier- statt Plastiktüten.

Papiertüten sind jetzt kein Plastikmüll, aber auch nicht das Non-Plus-Ultra. So eine Papiertüte braucht nämlich in der Herstellung erst mal mehr Ressourcen und Energie als die Plastiktüte, weil sie auch dicker sein muss, um das gleiche Gewicht zu halten. Am Ende hilft da nur der gute alte Stoffbeutel. Ich sehe auch schon, dass immer mehr Leute wirklich auch dran denken, wenn sie Lebensmittel einkaufen gehen, was ja echt schon mal super ist! Ich hab übrigens einen Beutel als Schlüsselanhänger, und stopfe mir, immer, wenn ich mal dran denke, einen sauberen Beutel in die Tasche.

Übrigen kann so ein Stoffbeutel genauso gut zum Einsatz kommen, wenn wir andere Dinge einkaufen, die keine Lebensmittel sind. Bücher und Klamotten zum Beispiel. Oder wenn wir uns auf dem Nachhauseweg Essen zum Mitnehmen holen. Da sehe ich leider fast nie jemanden den Stoffbeutel auspacken…

Oh ja, stimmt. Essen zum Mitnehmen wird ja immer noch mal ungefragt in eine Plastiktüte gepackt. Aber das ist ja auch nicht das Einzige an Müll. Das Essen steckt meistens ja in so Einweg-Alu- oder sogar Styropor-Schalen. Was machst du da denn?

Ich bringe einfach meine eigenen Dosen mit! Beim ersten Mal nehme ich ein paar mehr mit, dann können sich die Mitarbeiter aussuchen, was sie am besten worein packen können. Wenn ich keine Dosen dabei habe esse ich einfach direkt vor Ort. So viel Zeit muss fürs Essen sein, finde ich. Alles andere ist nur zusätzlicher Stress. Mach ich auch beim Kaffee inzwischen so. Coffee to go hol ich mir gar nicht mehr, obwohl ich natürlich so einen Thermobecher habe. Wenn schon ein Käffchen, dann möchte ich ihn auch in Ruhe trinken und einmal durchatmen. Nicht nur gut für die Umwelt, sondern auch gut für uns Menschen 😉

Was sind denn andere Alternativen zu Einweg-Plastik, die auch ich so als Normalo umsetzen kann? Sagen wir mal, statt Frischhaltefolie.

Es gibt wiederverwendbare Bienenwachstücher, die man so wie Frischhaltefolie benutzen kann. Ich kenne da ganz viele Überzeugungstäter, die darauf schwören und sagen, dass das viel besser alles funktioniert als Frischhaltefolie. Ich selbst muss sagen, dass ich diese Tücher noch nie benutzt habe… Irgendwie wüsste ich für mich gar nicht, wofür… Wenn es ums Abdecken geht, nehme ich einfach einen Teller oder eine Schüssel. Angeschnittenes wie ‘ne halbe Zwiebel oder so lege ich einfach mit der Schnittkante auf einen Teller. Größere Dinge kommen einfach unter meine Tortenhaube. Sowieso frage ich mich inzwischen bei vielen Sachen, warum ich sie überhaupt jemals benutzt habe… Feuchte Hygienetücher zum Putzen zum Beispiel. Da nehm ich lieber jetzt einen waschbaren Baumwolllappen und meinen selbstgemachten Essigreiniger.

4 Kommentare

  1. Gestern war ich seit langem mal wieder in einem Drogeriemarkt, um eine Bügelflasche zu kaufen. Mir fiel auf, wie schnell ich wieder draußen war, für gefühlt 90 % der Dinge habe ich einfach keine Verwendung mehr.
    Selbst für die Entsorgung der Katzenstreu klappt es mit den Tüten aus Zeitungspapier. Für die Futterdosen habe ich Müllsäcke aus Recyclingmaterial entdeckt, die nehme ich statt der normalen Beutel. Oder auch die Tüte vom Klopapier.

  2. Guten Morgen Shia,
    ich musste gerade sehr schmunzeln, als ich gelesen habe „Sowieso frage ich mich inzwischen bei vielen Sachen, warum ich sie überhaupt jemals benutzt habe“. Genauso geht es mir auch! 🙂
    Ich habe seit Jahren keine Zewa, Plastik- oder Alofolie usw. mehr und frage mich immer mal wieder, wenn ich so etwas bei anderen im Haushalt sehe, wofür man das eigentlich braucht.
    Liebe Grüße und weiter so!
    Anita

    • hallo zusammen,
      da klink ich mich mal ein 🙂
      in zusammenhang mit der – äh, ich nenn es mal „bewussteren müllproduktion, bzw nicht-produktion“ ist mir aufgefallen, wie überflüssig schon müllbeutel ansich sind. klar, da passt viel rein, aber im grunde reicht auch das, was eh in tütenform anfällt. (simples bsp: die chipstüte) das ist dann schneller voll, ich muss öfter den müll rausbringen, aber dann fängt er auch nicht an zu stinken und ich muss keinen mülleimer putzen
      (das traumziel ist natürlich garkein müll ; ) )
      grüße,
      Sofie

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