Eco Fashion Week – Mode soll nachhaltiger werden

Jeden Sonntag gibt es eigentlich um 14:30 Uhr bei COSMO von mir etwas zu Nachhaltigkeit auf die Ohren! Besser bekannt ist der Radiosender wahrscheinlich momentan noch unter Funkhaus Europa, dem internationalen und interkulturellen Hörfunkprogramm von den öffentlich-rechtlichen Sendern WDR, Radio Bremen und Rundfunk Berlin-Brandendenburg. Seit dem 1. Januar 2017 nun umbenannt in COSMO.

Zu empfangen in NRW auf 103,3 MHz, in Bremen und Teilen Niedersachsens auf 96,7 MHz, in Bremerhaven auf 92,1 MHz und in Berlin und Umgebung auf 96,3 MHz.

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Mode ist zum Wegwerfartikel wie Einmalgeschirr verkommen.” – was sagt ihr zu dieser Aussage? Laut Greenpeace lassen wir fast 40% unserer Klamotten einfach im Schrank versauern. Wir tragen sie gar nicht oder so gut wie nie. Das sind in ganz Deutschland 5,2 MILLIARDEN praktisch ungetragene Kleidungsstücke!  All diese Klamotten mussten auch mal produziert werden, und das geht im Zeitalter von Fast Fashion alles andere als umweltfreundlich über die Bühne. Weltweit verschmutzt und belastet nur noch die Öl-Industrie die Umwelt stärker als die Mode-Industrie! Dass auch die Arbeitsbedingungen in der Mode-Industrie mehr katastrophal als akzeptabel sind, ist kein Geheimnis. Letztes Wochenende war in Vancouver die Eco Fashion Week, eines der international größten Events für nachhaltige Mode. Mitten drin unsere COSMO-Nachhaltigkeitsexpertin Shia Su.

Shia, was ist denn der Unterschied zwischen einer normalen Fashion Week und einer für nachhaltige Mode?

Ja, das ist eine sehr gute Frage, denn auch die regulären Fashion Weeks versuchen sich inzwischen immer mehr von ihrer grünen Seite zu zeigen. Es gibt aber einen ganz wichtigen Unterschied: Bei den Klamotten der normalen Fashion Week ist die ausbeuterische Produktion immer noch die Norm – und die nachhaltige Produktion ist Ausnahme. Und bei einer Fashion Week ausschließlich für nachhaltige Mode gibt’s natürlich auch ganz neue Entwürfe und Trends – aber da wird auch sehr genau auf die Produktionsbedingungen und die Umweltfreundlichkeit geachtet. Sprich: man möchte da also nicht nur modische Trends setzen, sondern eben auch neue ethische Standards. Und eine Besonderheit der Eco Fashion Week in Vancouver ist, dass sie zusätzlich den Müllaspekt mit berücksichtigt. Der durchschnittliche Nord-Amerikaner wirft nämlich jährlich knapp 37 KILOGRAMM Kleidung in den Müll! Und dagegen wollte dieses Jahr die Eco Fashion Week ein Zeichen setzen.

Bisher wurde bei nachhaltiger Mode ja hauptsächlich über die Produktionsbedingungen gesprochen. Also bessere Arbeitsbedingungen, faire Löhne, kein Einsatz von Schadstoffen und ein ökologischerer Anbau der Materialien. Jetzt widmet man sich also auch der Frage, was hinterher mit den Klamotten passiert oder wie?

Ja, genau. Die Eco Fashion Week setzt auf Slow Fashion. Weil zu viele Kollektionen im Jahr nur dazu führen, dass schnell produziert wird, dann isses nicht mehr ganmz frisch und wird sehr schnell auch wieder aussortiert. Bei der Eco Fashion Week ging es darum, Kollektionen vorzustellen, die z.B. jahreszeitunabhängig getragen werden können und langlebig sein sollen. Außerdem sollten die Klamotten vielseitig einsetzbar sein, damit man sich nicht für jeden Zweck wieder was Neues zulegen muss.

Das finde ich super! Aber irgendwann sind ja auch langlebige Klamotten aufgetragen. Einfach durch. Was passiert dann damit? Wo landen die? Im Bio-Eimer? Auf dem Kompost?

Nicht unbedingt. Das war ein ganz großes Thema bei den Präsentationen und Diskussionen, die es neben den Laufsteg-Shows auch gab. Mehr denn je setzt man auf die Wiederverwendung und das Recycling von Kleidung. Also wegschmeißen steht eher ganz ganz weit unten auf der Liste.

Es wurde u.a. über neue Technologien gesprochen, mit denen man z.B. neuen Jeans-Stoff aus alten Baumwoll-T-Shirts machen kann. Aber zum Glück ging es noch viel mehr darum, dass und wie man secondhand und “Vintage”-Kleidung als Materialien für neue Kleidung nehmen kann. Und dazu gab es dann auch die Chic Sheet Challenge, mein persönliches Highlight übrigens.

Oh, was war denn die Chic Sheet Challenge?

Das war echt ‘ne coole Sache! Also, da sollten acht Mode-Studenten in nur drei Wochen aus alten, ausrangierten Hotel-Bettlaken laufstegtaugliche Mode machen. Die Bettlaken stammten auch direkt aus dem Hotel, wo die Eco Fashion Week stattfand. Das Ergebnis war einfach krass! Bei den edlen Kleidern hinterher kann man echt nicht glauben, dass das mal alte Bettlaken waren!

Das Gewinner-Kleid

Letzte Woche haben wir ja mit dir unter anderem über Mikroplastik gesprochen, nämlich dass sich beim Waschen unserer Klamotten Fasern daraus lösen. Da wir inzwischen irgendwie so gerne Kunstfasern am Körper tragen, ist das problematisch, weil diese Fasern sich nämlich nicht biologisch abbauen, sprich, sie sind dann Mikroplastik. Ich hab ja das Gefühl, dass man kaum noch Klamotten ohne das Zeugs bekommt. Das ist ja dann auch irgendwie Müll. Tut die Eco-Mode-Industrie auch dagegen was?

Ja, das beschäftigt die nachhaltige Mode-Industrie im Moment ziemlich. Davor galt es als super öko, wenn mann Polyesther, das aus alten PET-Flaschen gewonnen wurde, verwendet hat. Nun versucht man stattdessen, gezielt auch darüber aufzuklären, dass diese Klamotten vielleicht zwar in der Produktion umweltfreundlicher sind, aber trotzdem ein großes Umweltproblem darstellen. Viele Öko-Labels setzen nun verstärkt auf Naturmaterialien wo es geht und schrauben bei Mischfasern den Anteil der künstlichen Fasern wie Elastan herunter. Aber noch muss man viel Aufklärungsarbeit leisten.

Ich find’s gut, dass sich da was tut. Hast du vielleicht noch ’n paar Tipps, was jeder von uns so machen kann?

Der wichtigste Schritt ist, dass man nicht andauernd etwas Neues kauft, sondern mal seine Klamotten aufträgt. Wir alle haben eigentlich zu viel und nicht zu wenig im Schrank. Was man nicht anzieht, sollte man auch nicht im Schrank versauern lassen, sondern wieder in Umlauf bringen, damit nicht stattdessen was Neues produziert werden muss!
In fast jeder Stadt gibt es Klamottentasch-Parties oder man kann seine Kleidung auch an Secondhand-Läden oder online bei Kleiderkreisel oder Ebay verkaufen. Wenn man spenden möchte, sollte man vorher fragen, was mit den Klamotten passiert. Wenn sie in Entwicklungsländer verschifft werden, lieber die Finger davon lassen, denn Kleiderspenden zerstören oft die lokalen Märkte! Wenn man sich doch etwas zulegen möchte, dann am besten secondhand oder Bio und Fairtrade.

Wenn einen doch der Impulskauf-Drang packt, gibt es aber auch einen Trick! Zurücklegen und sich eine Woche Bedenkzeit geben. Ich sag mal, 90% der Sachen vergisst man direkt wieder. Wenn man es danach immer noch will, kann man ja auch erst gucken, ob man das secondhand bekommt oder ob es ein ähnliches Stück in Bio und Fairtrade gibt.

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