10 Tipps, wie man richtig heizt

Heizen ist jetzt kein typisches Müll-Thema, aber dennoch finde ich es sehr wichtig, weil es einfach sehr viel Energie und damit Ressourcen verbraucht (hier geht es zu meinem Nachhaltigkeits-Talk dazu in Funkhaus Europa). Wusstet ihr, dass 70% der Energiekosten fürs Heizen und die Warmwasseraufbereitung draufgehen (Quelle 1, Quelle 2)? Und was mich dabei nämlich immer wurmt: Vieles davon geht flöten, ohne dass wir überhaupt irgendwas davon haben! Wir verschwenden also die ohnehin schon knappen Ressourcen!

Klar, nicht jeder von uns ist Haus- oder Wohnungseigentümer und kann ganz frei entscheiden, welche Heizungssystem verwendet wird. Aber jeder von uns kann mit einigen einfachen Tipps viel Energie einsparen. Gut für die Umwelt, gut für den Geldbeutel.

1. Heizkörper entlüften

Wenn es in der Heizung gluckert, sollte man die Heizung entlüften, denn sonst geht unnötig Energie verloren. Das kann man auch selber machen und ist gar nicht schwer. Kann man sich auch bei der jährlichen Heizungswartung erklären lassen.

2. Richtiges Raumklima: So viel wie nötig, aber so wenig wie möglich heizen

Klar, ich möchte jetzt nicht den ganzen Tag zu Hause in Winterjacke herumlaufen, aber auf Saunatemperatur muss ich es auch nicht haben 😉. Außerdem muss nicht jeder Raum gleichviel beheizt werden. Gute Richtwerte sind:

  • nicht mehr als 20ºC für den Wohnraum
  • 16-17ºC für das Schlafzimmer
  • 18ºC Küche (da heizen sowieso Kühlschrank, Herd, Spülmaschine, Backofen u.Ä. mit)

Jedes Grad weniger an Raumtemperatur spart 6% Energie ein. Es lohnt sich also 😊. Und so ein paar dicke Socken oder eine kuschelige Decke kosten sicherlich weniger als eine fette Heizkostennachzahlung 😉. Ich muss auch zugeben, dass ich es genieße, es mir mit Decken, vielen Kissen und einem heißen Tee so richtig gemütlich zu machen. Da wird mein Arbeitsplatz auch schnell mal aufs Sofa oder ins Bett verlegt 😝.

3. Für Frostbeulen: Statt das ganze Schlafzimmer aufzuheizen lieber kuscheln oder sich eine Heizdecke/Wärmflasche zulegen

Ich gebe es zu: Ich bin eine schlimme Frostbeule und auch wenn es immer heißt, dass man in kühlen Räumen am besten schläft, hasse ich kalte Schlafzimmer! Jahrelang wurde ich dafür ausgelacht, dass ich jeden Winter meckere, dass ich nicht einschlafen kann, solange meine Füße und meine Nase noch kalt sind…

Nun habe ich das Glück, einen recht kälteunempfindlichen Mann zu haben, der mir auch nach über 12 Jahren tatsächlich immer noch gerne meine Bettseite vorwärmt. Aber manchmal geh ich auch vor ihm ins Bett oder er ist genauso durchgefroren wie ich. Für diese Fälle stelle ich 10 Minuten vorher die Heizdecke an, die das Bett vorwärmt. Jaaa, natürlich haben wir Ökostrom von einem 100%-igen Ökostromanbieter, damit der sonstige Profit außerhalb des mageren Öko-Zuschlage nicht etwa in Kohlekraft investiert wird 😉. Alternativ kann man natürlich auch eine Wärmflasche nehmen, nur wärmt sie natürlich nur einen kleinen Bereich im Bett.

Also, wenn ich in ein warmes Bettchen schlüpfe, juckt mich die sonstige Temperatur im Zimmer auch nicht mehr.

4. Räume nicht komplett auskühlen lassen

Meistens sind es hier in Deutschland schon eher massive Wände. Und die müssen auch erst mal erwärmt werden, sonst bleibt es kalt. Und das braucht natürlich viel Energie und auch Zeit.

Außerdem kann kalte Luft weniger Luftfeuchtigkeit aufnehmen. Wenn die Temperatur unter 16ºC fällt droht Schimmelbildung! Ausnahmen sind längere Abwesenheiten ab drei Tagen, denn da sind 1.) wir, die Verursacher der Luftfeuchtigkeit, (ein Mensch gibt am Tag 1,5 Liter über den Atem und Transpiration ab) nicht da, und 2.) spart man trotzdem mehr Energie ein, als das erneute Erwärmen der Wände verbraucht.

Besser ist es, die Heizung nachts und auch wenn man tagsüber nicht zu Hause ist sanft durchlaufen zu lassen. Dazu am besten das Thermostat auf 16ºC einstellen.

Ausnahmen sind energieeffiziente Neubauten, wo die Wände keine Wärme speichern. Die heizen sich auch wieder schnell auf.

5. Thermostat richtig bedienen

Heizkörperthermostate sind diese Griffe an den Heizkörpern, die wir gerne volle Pulle aufdrehen, wenn uns zu kalt ist. Nur heizt sich dadurch der Raum gar nicht schneller auf! Mit dem Thermostat stellt man nämlich die Temperatur ein, auf die ein Raum gehalten werden soll – und man kann somit die Temperatur für verschiedene Räume verschieden hoch einstellen. Stufe 3 entspricht grob 20ºC. Scheint die Sonne rein, wird auch weniger geheizt.

Wenn man direkt das Thermostat komplett aufdreht, hat das nur zur Folge, dass der Raum insgesamt höher, aber nicht schneller aufgeheizt wird. Wenn man das Thermostat richtig einstellt und – ganz wichtig – es nicht irgendwie abschirmt, kann man dadurch noch mal 4 bis 8% Heizenergie sparen.

Übrigens gibt es in vielen Wohnungen zusätzlich noch zentrale Thermostate. Das misst an einem oder mehreren Stellen im Raum, ob die Temperatur erreicht ist und schaltet z.B. den Brenner (z.B. die Gastherme) ein und aus. In dem Raum, wo das zentrale Thermostat misst, sollte der Heizkörper immer auf 5 stehen, damit die Temperatur optimal geregelt werden kann. Ansonsten kann sein, dass die ganze Zeit Brennstoff verbraucht, die Wärme aber nie am Heizkörper freigesetzt wird, und das verschwendet viel Energie.

6. Heizkörper nicht zustellen

Eigentlich absolut selbstverständlich, aber ich sehe trotzdem ganz häufig zugestellte Heizkörper! Kommoden, Sofas, aber auch das Bett oder Vorhänge und Gardinen sind die häufigsten Übeltäter. In einigen Altbauwohnungen gibt es auch noch diese Heizkörperverkleidung! Sieht zugegeben ganz gut aus, ist aber energetisch absoluter Quatsch und selbst als Mieter würde ich die abbauen.

Statt mit Vorhängen und Gardinen die Heizkörper abzuschirmen kann man sie besser als Isolationsschicht einsetzen: Rolläden vor dem Fenster können den Wärmeverlust nachts um bis zu 20% reduzieren!

7. Fenster und Türen abdichten

Durch Fenster und Türen kann viel Wärme entweichen. Diese kann man ganz easy mit Profildichtungen abdichten, die man in jedem Baumarkt kaufen kann. Als Mieter kann nab auch versuchen, vorher den*die Vermieter*in zu fragen, ob das übernommen wird, bevor man selbst Hand anlegt, was aber auch nicht so schwer ist. Damit es nicht unter Türen, vor allem Haustüren, zieht, kann man eines dieser Rollentiere davor legen.

Und ganz wichtig, vor allem wenn dann alles gut abgedichtet ist: Richtig lüften, sonst hat man Schimmel zu Hause! Je besser abgedichtet, desto häufiger lüften 😉.

8. Richtig lüften

Mindestens drei Mal am Tag für fünf Minuten die Heizungen kurz ausstellen und die Fenster sperrangelweit aufreißen. So tauscht sich die Luft aus, ohne, dass die Wände abkühlen, was der Fall ist, wenn man die Fenster stattdessen den ganzen Tag auf Kipp lässt. Japp, beim Dauerlüften schmeißt man im Grunde mit der aufgewärmten Luft sein Geld zum Fenster raus.

9. Wand hinter Heizkörper isolieren

Wenn man sich doch handwerklich betätigen möchte, kann man Heizkörper in Nischen hinten isolieren. Da sind die Wände meistens dünner und darüber geht auch viel Energie verloren. Eine gute Möglichkeit, ohne den Heizkörper abmontieren zu müssen ist Heizkörperisolierung, die man dahinter schiebt und anklebt. Eine Anleitung dazu gibt es z.B. hier. Zur Not tut es auch ein dicker Karton, den man dahinter schiebt. Sieht nur optisch nicht so doll aus 😝.

10. Auf erneuerbare Energien umsteigen!

Die meisten Haushalte nutzen zum Heizen und für die Warmwasseraufbereitung nach wie vor hauptsächlich Erdgas und Mineralöl. Häufig hat man als Mieter keine Wahl, weil es für das gesamte Wohnhaus zentral geregelt wird. Wir haben das Glück, dass wir in unserer (gemieteten) Wohnung eine Gastherme haben und uns selbst aussuchen können, woher wir unser Gas beziehen.

Wir beziehen Biogas von Naturstrom (Affiliate Link). Denn Biogas kann auch problematisch gewonnen werden. Auf meine Anfrage bei Naturstrom damals erhielt ich folgende Auskunft:

Unser Biogas beziehen wir aus drei verschiedenen Anlagen und es wird aus folgenden Rohstoffen vergoren: 

  • 26 % Biogas aus Hamburg (Klärgas)
  • 53 % Biogas aus Alteno (organische Reststoffe der Landwirtschaft und Lebensmittelherstellung)
  • 22 % Biogas aus Anklam (Zuckerrübenreste aus der Zuckerherstellung)“

Ausgeschlossen ist außerdem Deponiegas, die Umwandlung von Lebensräume in Monokulturen und es werden voranging Rohstoffe aus der Region verwendet, um lange Transportwege zu vermeiden.

Das war zumindest noch im April 2016, als wir das letzte Mal recherchierten, die unserer Meinung nach ökologischste Gas-Option. Wenn ihr eine bessere Alternative kennt, lasst es mich doch im Kommentar wissen und ich werde definitiv nachlesen 😊!

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10 Kommentare

  1. Pingback: Sonnenuntergänge November - Habutschu!

  2. Ja, das Lüften, so ein leidiges Thema vor allem auf Arbeit.
    Aktuell überlege ich ja, mir für das Wohn- und für das Arbeitszimmer solche Thermostate zuzulegen, die man per Handy oder Laptop gradgenau einstellen und auch vorprogrammieren kann, so dass man, z. B. abends nicht vergisst, die Heizung auszustellen. (Leider schon passiert.)

    Um es sich kuscheliger zu machen, finde ich, kann man sich auch mit kleinen Teppichen, z. B. vor dem Bett oder dem Sofa, behelfen, wenn man Holzfußboden hat. Gerade Laminat wirkt immer recht kühl und ist fußkalt.

    Viele liebe Grüße,
    das Maya

  3. Liebe Shia,
    Ich lese deinen Blog jetzt seit einigen Monaten und bin total begeistert 🙂
    das Heizen finde ich ein ganz wichtiges Thema. Wir versuchen uns an so viel wie möglich zu halten und auch bei der Müllvermeidung machen wir Fortschritte!

    Wir arbeiten also daran…
    Liebe Grüße
    Vanessa

  4. Superwichtiger Beitrag, wobei ich letztes Jahr (leider) gelernt hab, dass man auch mit all diesen Tipps leider an die Grenzen stößt.

    Ich wohnte damals in einem Reihenendhaus in Irland, und unser Haus hatte morgens höchstens noch 15°, über den Tag manchmal auf 18° gekommen, wärmer wurde es nicht, auch nicht auf Stufe 5. Wir haben zwischen Oktober und März ca 2500l Öl verheizt, obwohl wir stoßgelüftet haben, Flure schon kaum mitgeheizt haben, leere Räume zugemacht haben und nicht geheizt, den Ofen nach Essen kochen offen gelassen haben, selbstständig die Fenster in den Schlafzimmer nachgedichtet haben etc. Dementsprechend ist natürlich auch Kleidung oder Handtücher vom Duschen nicht getrocknet, es war grausam.

    Ich bin eigentlich nicht verfroren, aber ich habe mir in dem Jahr angewöhnt immer mit Mütze herumzulaufen, mein erstes gekauftes Teil war ein unglaublich billiger Vardigan von Primark (Schande über mich, aber zum einen hab ich mir damals noch keine Gedanken gemacht, zum anderen hat die pure Verzweiflung gesiegt).
    Wenn ich mir überlege, wie viel wir zum Heizen gezahlt haben, gehe ich stark davon aus, dass sich Dämmung nachrüsten schnell rentiert, bzw. zumindest Fenster, es ist der Wahnsinn, wie viel Energie man darüber verliert.
    Aber in Irland ist es zum Beispiel Standard, dass man in der Haustür einen Postschlitz hat, da zieht es rein. Der Kamin war auch nur ein „Loch“, am Anfang hat es uns regelmäßig ins Wohnzimmer gehagelt, bis wir irgendwann die Kaminöffnung mit einem Kissen gestopft haben, dann konnte man ihn zwar nicht mehr nutzen, aber immerhin war es im Wohnzimmer nicht mehr windig 😀

    Ich habe definitiv zu schätzen gelernt, wie gut es mir daheim mit Erdwärmepumpe und Kachelofen geht, aber auch dass es auf der ganzen Welt noch viel Verbesserungabedarf gibt und dass wir, wenn wir gut gedämmte Häuser haben, das nicht als Einladung zum Heizen sehen sollten, sondern dankbar sein sollten, für die Möglichkeit, hier zu extrem zu sparen und die Umwelt zu schützen!

  5. Anne Teekanne

    Liebe Shia,

    super Beitrag. Da war ich direkt motiviert mir aus einer alten Fleecedecke mal schnell eine Rolle für die Wohnungstür zu basteln.

    Liebe Grüße
    Anne

  6. Bei uns in die Niederlande gibt es Heizung vor die ganze Nachbarschaft. Das is ganz teuer weil auch die Straßen Wärmen wurden. Wir Heizen unsere Wohnung sehr wenig, nur wen es richtig zu kalt ist. Nur das Wohnzimmer, andere zimmer heizen wir gar nicht.Viele Nachbarn mussen nachzahlen wir bekommen Geld zurück.

  7. Hi Shia,

    ich finde das ist ein sehr wichtiges Thema, was du da ansprichst. Wir leben zum Glück in einer Wohnung, die nicht viele Außenwände hat und bei uns sind es ohne die Heizung auch nur ein einziges Mal angestellt zu haben, immer noch 21°C im Wohnzimmer und 20°C im Schlafzimmer. Und das bei 3°C Außentemperatur. Wenn es uns zu kühl ist, ziehen wir uns einfach noch ein bisschen wärmer an, aber die Heizung werden wir erst ab unter 20°C im Wohnzimmer anmachen.

    Liebe Grüße,
    Sarah

  8. Lieschen Müller

    Hallo Shia,
    Lüften ist bei uns zu Hause ein leidiges Thema… denn dann wird es ja kalt! Übrigens hat frische Luft durch den hohen Sauerstoffgehalt eine höhere Wärmekapazität. Will heißen regelmäßiges Lüften senkt die Heizkosten noch zusätzlich, weil man nicht so viel Energie in verbrauchte Luft stecken muss.
    Was ich sehr praktisch finde, sind programmierbare Heizungsventile. Ich mag es einfach nicht morgens in ein kaltes Bad zu kommen. Bis die Heizung den Raum aufgeheizt hat, bin ich mit Zähneputzen etc schon lange durch. Ich stelle das Ventil so ein, dass es ca eine halbe Stunde vor dem Wecker aufgeht und quasi zum Weckerklingeln wieder zu.

    Liebe Grüße,
    das Lieschen

  9. Hey,

    schön, dass du nochmal darauf aufmerksam machst ;-). Bezüglich der Temperatur hab ich eine kleine Korrektur: 18 Grad sollte jeder Raum haben. Wir hatten das letztes Jahr recherchiert und bei 18 Grad fühlt man sich auch sehr wohl :).
    LG
    Julia

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